München und die Geisterradler

Man hat den Eindruck, sie haben in den letzten Jahren erheblich zugenommen: Radfahrer, die ganz selbstverständlich in der falschen Richtung auf dem Radweg unterwegs sind und dabei erwarten, dass ihnen der radelnde Gegenverkehr nach rechts ausweicht. Auch die Medien berichten gern über das Phänomen, wenn die Polizei das Thema in den Fokus rückt.

Geisterradeln ist riskant und spielt eine erhebliche Rolle bei Fahrradunfällen – die Münchner Polizei bezeichnet das Geisterradeln sogar als Unfallursache Nummer Eins bei Radfahrern. Unerwähnt bleibt dabei meistens, wie es mit einer möglichen Mitverantwortung der anderen Kollisions-Beteiligten aussieht.

Pragmatisch betrachtet, müssen alle Verkehrsteilnehmer mit Geisterradlern rechnen: Radfahrer, die korrekt auf dem rechten Radweg unterwegs sind. Fußgänger, die einen Radweg überqueren möchten. Rad- und Autofahrer, die einen Radweg überqueren, also beim Abbiegen oder an einer Kreuzung. Und solche Fahrer, die aus einer Ausfahrt kommend auf die Fahrbahn wollen.

Eigentlich handelt es sich bei diesem Phänomen speziell um Radweg-Geisterradler: Es kommt zwar auch vor, dass eine Einbahnstraße gegen die Richtung beradelt wird, die noch nicht dafür freigegeben ist. Diese Geisterradler auf der Fahrbahn werden vom Gegenverkehr immerhin gut wahrgenommen. Aber kaum ein Radfahrer käme auf die Idee, eine Fahrbahn auf der linken (!) Straßenseite zu beradeln, egal ob mit oder ohne Schutzstreifen für Radfahrer.

Wie kommt es dann, dass auf Radwegen ganz selbstverständlich Linksverkehr praktiziert wird, als sei man bei den Briten? Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat schreibt: Der Einrichtung von Zwei-Richtungen-Radwegen wurde, von begründeten Ausnahmen abgesehen, eine Absage erteilt. So genannte „Geisterradler“ seien schon jetzt ein Hauptunfallproblem, das die Planung nicht noch befördern dürfe.

In München sind in den letzten Jahren etliche dieser Ausnahmen aus dem Boden geschossen – ob gut begründet, sei dahingestellt. An manchen Stellen ist offensichtlich, dass man den Radlern einen Umweg ersparen wollte oder das praktizierte Radeln gegen die Richtung legalisieren, und sei es nur für wenige Meter (siehe Bild). Oder Radler, die die Abkürzung über den Gehweg nahmen, auf einen Radweg lotsen wollte. Mancher Zweirichtungsradweg ist so schmal, dass man sehr aufpassen muss, nicht mit dem geplanten und legalen Gegenverkehr zu kollidieren – oder mit Fußgängern:

Übergang am Uni-Hauptgebäude

Bild: Kurzer Zweirichtungsradweg in der Ludwigstraße am Uni-Hauptgebäude

 

Offenbar begünstigt diese Politik der teils provisorisch anmutenden Zweirichtungsradwege, dass Radfahren gegen die Richtung von etlichen Radlern als völlig normal und unbedenklich wahrgenommen wird – zumindest setzt mancher seinen Weg auf der linken Seite weit über die erlaubte Strecke hinaus fort. Und mit zunehmenden Radverkehr fallen die Geisterradler stärker auf und behindern öfter andere Radfahrer, weil auch der Gegenverkehr zunimmt.

(Dies ist eine überarbeitete Fassung eines Eintrags im Maxvorstadtblog.)

Fahrradunfälle im Oktober 2013

Quelle: Ausschließlich die Presseberichte der bayrischen Polizei. Das heißt natürlich, dass hier nur Unfälle aufgelistet sind bei denen die Polizei vor Ort war und es auch in ihren Berichten veröffentlicht. Es ist also davon auszugehen, dass die Liste nicht vollständig ist.

Am 1.10.2013 wurde eine 18-jährige von einem LKW erfasst und schwer verletzt. Dieser wollte nach rechts abbiegen und hat nicht geschaut ob jemand auf dem Radweg fährt.

Ebenfalls am 1.10.2013 gerieten eine 39-jährige und der Anhänger eines Kleintransporters aneinander. Ob der Fahrer den Sicherheitsabstand nicht eingehalten hat, oder ob sich die Frau an der Ampel nach vorne gedrängelt hat um neben dem Auto stehen zu bleiben geht aus der Pressemeldung nicht hervor. Vermutlich aber ersteres, sonst hätte sie den Anhänger wohl gesehen. Ist aber reine Spekulation

Am 8.10.2013 fuhr ein 80-jähriger auf dem Radweg in die falsche Richtung. Beim Überqueren einer Straße touchierte ihn ein Auto, er stürzte, erlitt einen Schädelbruch und erlag seinen Verletzungen sechs Tage später. Wenn man sich die Stelle auf Google Street View anschaut, kann man irgendwie schwer glauben, dass die Bäume die sicht auf den Radfahrer versperrt haben. Es ist wohl eher die Litfasssäule gewesen. Aber da kann sich jeder selbst ein Bild davon machen. Der Fahrer wollte nach rechts abbiegen und hat vermutlich nur auf den Verkehr geachtet, der von Links kommt. Ob er einen Fußgänger gesehen hätte?

Am 18.10.2013 wurde ein 81-jähriger von einem PKW erfasst. Dieser hatte ihm die Vorfahrt genommen. Anschließend flüchtete der Fahrer vom Unfallort.

Am 21.10.2013 wurde eine 23-jährige Radfahrerin von einem rechts abbiegendem LKW erfasst und sehr schwer Verletzt. Sie war auf dem Radweg und wollte die Straße gerade aus Überqueren. Die Kreuzung ist eigentlich sehr übersichtlich. So etwas darf einfach nicht passieren. Im Nachtrag zur Pressemeldung weißt die Polizei darauf hin, dass es wieder eine Verkehrserziehung durchführen und dabei Flyer mit „Tipps für Radfahrer“ austeilen wird. Nicht am Unfallort, sondern scheinabr an der Universität.

Am 22.10.2013 stieg ein LKW-Fahrer aus seinem Fahrzeug aus und brachte mit der Tür eine Rentnerin zu Fall. Eine Andere fuhr auf dem (freigegebenen) Gehsteig und stieß beim Überqueren einer Straße an das Heck eines LKWs weil sie den Abstand falsch einschätze. Auf der Straße hätte sie übrigens Vorfahrt gehabt.

Am 24.10.2013 fuhr ein 54-jähriger mit seinem PKW auf der Landsberger Straße in eine Tankstelle in Laim und achtete nicht auch den Radverkehr. Einer 72-jährigen erlitt deshalb einen Schädelbruch. Die Landsbergerstraße hat auf der ganzen Länge zwei Spuren in jede Richtung. Auch wenn es im Polizeibericht nicht ausdrücklich erwähnt ist, gehe ich davon aus, dass der Fahrer rechts abbog um in die Tankstelle zu fahren.

Am 28.10.2013 ist ein mir völlig unverständlicher Unfall geschehen. Ein Autofahrer ist auf gerader Strecke, es ging leicht bergauf, von hinten in einen radfahrenden Rentner gefahren. Dieser wurde auf die Motorhaube geschleudert und ist mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe geknallt. Das ist in der Hackerstraße in Oberschleißheim passiert. Ein Ort, wo der Fahrer durch nichts was auf der Straße passiert abgelenkt sein kann. Er gab an, ihn hätte die untergehende Sonne geblendet (der Unfall  passierte um 15.35, Sonnenuntergang war an dem Tag gegen 17.00 Uhr).

Am 30.10.2013 verlor ein Rentner auf dem Fahrrad das Gleichgewicht und stürzte gegen einen anfahrenden Linienbus und verletzte sich dabei schwer. Der Busfahrer hat sofort stark gebremst, wodurch eine Businsassin stürzte und sich leicht verletzte. Der Radfahrer wollte den an einer Haltestelle stehenden Bus wohl überholen. Der Unfall passierte in der Blumenauer Straße auf höhe der Lampertstraße.

Und auch am 31.10.2013 gab es einen Unfall als ein LKW-Fahrer völlig hirnlos rechts abbog. Glücklicherweise ist diesmal nichts schlimmes passiert.