Stadtverwaltung und Polizei wettern gegen die critical mass…

… in Osnabrück.

Wie wahrscheinlich einige mitbekommen haben, wurde im Oktober die critical mass in Osnabrück von der Polizei eingekesselt, da es sich ihrer Meinung nach um eine Veranstaltung handelt. Diese müsse angemeldet werden, ein Veranstaltungsleiter müsse genannt werden. Zum Schluss durften sie dann, mit Polizeeskorte, eine Runde um die Innenstadt drehen. Das ist jetzt natürlich keine CM wie man sich das vorstellt und so waren alle gespannt, was im November passieren würde.

Noch bevor die CM im November irgendwo angekündigt wurde, hat sich jetzt die Stadt gemeldet und daran erinnert, dass man die CM doch als Demonstration anmelden müsse. Ansonsten sei die Polizei dazu angehalten die Versammlung aufzulösen.

Besonders den letzten Absatz in der Nachricht finde ich bemerkenswert:

Ihre Aktion kann nicht als Fahrt im „geschlossenen Verband“ gemäß § 27 der Straßenverkehrsordnung angesehen werden. Man kann zwar davon ausgehen, dass mehr als 15 Radfahrer teilnehmen werden, weitere Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Sonderrechten als „geschlossener Verband“ werden aber nicht erfüllt sein. Für die Durchführung wäre zunächst ein Verbandsführer zu benennen, im Verband darf maximal zu zweit nebeneinander gefahren werden, die allgemeinen Verkehrsregeln müssen (mit wenigen Ausnahmen) eingehalten werden und zu einer Blockade ganzer Fahrtstreifen darf es schon gar nicht kommen. Eine derartig durchgeführte Verbandsfahrt entspricht somit sicher nicht den Vorstellungen einer Critical-Mass-Aktion.

Denn daran soll es nun wirklich nicht scheitern. Verbandsführer ist, wer vorne fährt. Wenn die Polizei das so wünscht, dann wäre es meiner Meinung nach auch kein Problem den Verbandsführer nicht immer wieder zu wechseln. Und zu zweit nebeneinander… Naja, bei 200 Teilnehmern und angemessenen Sicherheitsabstand ist damit auch eine Spur belegt. Nur der Zug wird vermutlich doppelt so lange werden (und weniger lustig). Man sollte der Stadtverwaltung und der Polizei versichern, sich an die Verbandsregeln zu halten, denn ich finde, dass entspricht ganz genau den Vorstellungen einer Critical-Mass-Aktion.

Straßenbau hilft nicht gegen Stau

Ich hab einen sehr interessanten Artikel über die Langfristige Auswirkung des Straßenausbaus und der förderung des ÖPNV auf das Stauaufkommen. Dieser bestätigt eine Meinung die ich schon sehr lange vertrete aber nie richtig belegen konnte. Der Verkehr wird nicht entlastet wenn die Kapazitäten der Straßen ausgebaut werden.

Die Argumentation geht davon aus, dass der Verkehr ebenso wie andere Güter auch, ein Marktgleichgewicht anstrebt.

Ein Ausbau der Straßenkapazität und damit eine Ausweitung des Angebots senkt den Preis und induziert somit eine zusätzliche Nachfrage. Nachfrageüberhänge (= Stau) lassen die Kosten steigen. Bei einem hohen Stauaufkommen tendieren die Betroffenen dazu, unwichtige Fahrten zeitlich zu verschieben, andere Ziele anzufahren, andere Verkehrsmodi zu nutzen und nicht notwendige Fahrten zu unterlassen. Ein häufiges Auftreten von Staus lässt logischerweise die Forderung aufkommen, die Kapazität der Straße durch einen Ausbau zu erhöhen.

Wird die Maximalkapazität einer Straße erhöht, fängt der Stau etwas später an und endet etwas früher. Zur Spitzenzeit kommt der Verkehr dennoch zum erliegen. Gleichzeitig steigt die Gesamtzahl der Fahrzeuge auf der entsprechenden Straße. Eigentlich logisch. Ebenso wenig überrascht es, dass der ÖPNV entlang der stark genutzten Strecken eine besonders positive Wirkung auf das Verkehrsaufkommen hat.

Wenn es auf bestimmten Strecken Probleme mit dem hohen Verkehrsaufkommen gibt, dann ist die Lösung für mich ganz klar. Schafft alternativen zum Auto. Neue Straßen zu bauen bringt nichts sondern verlagert das Problem bestenfalls auf andere Gegenden (höheres Aufkommen auf Zubringerstraßen, gleiche Kapazität an den Zielorten). Die Alternativen zeigen aber erst dann ihre Wirkung wenn sich die Situation für den klassischen Weg (mit dem Auto) verschärft.  Möchte man den Anteil der Autos im Straßenverkehr vermindern kann man also entweder Straßen rückbauen oder umfunktionieren oder aber man reduziert die Anzahl der Parkplätze. Denn auch eine lange Parkplatzsuche verlängert die Fahrt, oder wie es Marin Randelhoff sagen würde – senkt das Angebot und erhöht somit den Preis für eine Fahrt mit dem Auto. Das Ergebniss ist eine Entlastung der Straßen (und damit mehr Platz für Bus und Fahrrad). Freie Fahrt für freie Bürger ist schon lange Zeit nur noch eine Illusion.

Wer jetzt sagt, dass der Verkehr in München doch gar nicht so schlimm ist, der soll doch mal zu den Spitzenzeiten am Ring einmal in Kreis fahren. Oder vom Süden nach Norden, gerne auch andersrum,  entlang der Isar. Oder über die Kreilerstraße von Osten kommend in die Stadt fahren. Wie es im Westen aussieht, weiß ich nicht.