Sauber oder Saubär?

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat es wieder getan. Zusammen mit dem VCD haben sie den Freistaat Bayern verklagt, in erster Instanz gewonnen und Bayern ist nun dazu gezwungen, wirksame Maßnahmen gegen die Überschreitung von Stickstoffdioxid in München zu treffen.

Und was macht die Stadt München? Sie beantragt ein Berufungsverfahren beim Verwaltungsgericht da ihrer Meinung nach die Urteilsbegründung fehlerhaft ist. Stephanie Jacobs (Mit der eine saubere Stadt niemals was werden wird) sagte dazu: „Wir als Kommune sollen einen Gordischen Knoten zerschlagen, ohne das Handwerkszeug dafür zu haben.“ Sie meint damit, dass es keine rechtliche Grundlage für eine Citymaut oder ein Einfahrverbot für alte Diesel gibt.

Tegernseer Landstraße

Tegernseer Landstraße

Jetzt mal im Ernst. Fällt denn niemanden etwas besseres ein als die Blaue Plakette oder eine Citymaut? Ich biete hier gerne Nachhilfe an.

„Ja aber wie sollen dann die ganzen Autos???“ – Sollen sie eben nicht. Die Grenzwerte für Schadstoffbelastungen gibt es seit 2006. Ebenso lange werden sie überschritten bzw. von Stadt und Staat ignoriert. Jetzt in Berufung zu gehen ist auch nur eine Taktik um etwas Zeit zu gewinnen. Das ist peinlich!

Was ist denn eigentlich das Ziel von Citymaut und Fahrverbote? Weniger Emission durch weniger Verkehr? Das kann man auch erreichen indem man weniger Angebote für KFZ schafft. Stattdessen baut ihr den Isarring dreispurig aus.

Straßenbau hilft nicht gegen Stau

Ich hab einen sehr interessanten Artikel über die Langfristige Auswirkung des Straßenausbaus und der förderung des ÖPNV auf das Stauaufkommen. Dieser bestätigt eine Meinung die ich schon sehr lange vertrete aber nie richtig belegen konnte. Der Verkehr wird nicht entlastet wenn die Kapazitäten der Straßen ausgebaut werden.

Die Argumentation geht davon aus, dass der Verkehr ebenso wie andere Güter auch, ein Marktgleichgewicht anstrebt.

Ein Ausbau der Straßenkapazität und damit eine Ausweitung des Angebots senkt den Preis und induziert somit eine zusätzliche Nachfrage. Nachfrageüberhänge (= Stau) lassen die Kosten steigen. Bei einem hohen Stauaufkommen tendieren die Betroffenen dazu, unwichtige Fahrten zeitlich zu verschieben, andere Ziele anzufahren, andere Verkehrsmodi zu nutzen und nicht notwendige Fahrten zu unterlassen. Ein häufiges Auftreten von Staus lässt logischerweise die Forderung aufkommen, die Kapazität der Straße durch einen Ausbau zu erhöhen.

Wird die Maximalkapazität einer Straße erhöht, fängt der Stau etwas später an und endet etwas früher. Zur Spitzenzeit kommt der Verkehr dennoch zum erliegen. Gleichzeitig steigt die Gesamtzahl der Fahrzeuge auf der entsprechenden Straße. Eigentlich logisch. Ebenso wenig überrascht es, dass der ÖPNV entlang der stark genutzten Strecken eine besonders positive Wirkung auf das Verkehrsaufkommen hat.

Wenn es auf bestimmten Strecken Probleme mit dem hohen Verkehrsaufkommen gibt, dann ist die Lösung für mich ganz klar. Schafft alternativen zum Auto. Neue Straßen zu bauen bringt nichts sondern verlagert das Problem bestenfalls auf andere Gegenden (höheres Aufkommen auf Zubringerstraßen, gleiche Kapazität an den Zielorten). Die Alternativen zeigen aber erst dann ihre Wirkung wenn sich die Situation für den klassischen Weg (mit dem Auto) verschärft.  Möchte man den Anteil der Autos im Straßenverkehr vermindern kann man also entweder Straßen rückbauen oder umfunktionieren oder aber man reduziert die Anzahl der Parkplätze. Denn auch eine lange Parkplatzsuche verlängert die Fahrt, oder wie es Marin Randelhoff sagen würde – senkt das Angebot und erhöht somit den Preis für eine Fahrt mit dem Auto. Das Ergebniss ist eine Entlastung der Straßen (und damit mehr Platz für Bus und Fahrrad). Freie Fahrt für freie Bürger ist schon lange Zeit nur noch eine Illusion.

Wer jetzt sagt, dass der Verkehr in München doch gar nicht so schlimm ist, der soll doch mal zu den Spitzenzeiten am Ring einmal in Kreis fahren. Oder vom Süden nach Norden, gerne auch andersrum,  entlang der Isar. Oder über die Kreilerstraße von Osten kommend in die Stadt fahren. Wie es im Westen aussieht, weiß ich nicht.