Was die Polizei für die Sicherheit der Radfahrer tut

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Foto: Dieter Weinelt (CC BY-ND 2.0)

Ich hab mich ja hier im Blog unglaublich darüber aufgeregt, dass die Polizei nach Unfällen Flyer an Radfahrer verteilt. Auf Anregung in den Kommentaren hab ich bei der Polizei angefragt, ob es solche Aktionen auch für PKW- und LKW-Fahrer gibt und nachdem ich die Hoffnung schon fast aufgegeben habe, bekam ich nach fast einem Monat doch noch eine Antwort.

 

Sehr geehrter Herr Moritz,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Unsere Erfahrung zeigt, dass es Verkehrsteilnehmer gibt, die sich nicht in ausreichendem Maße an Verkehrsregeln halten bzw. diese sogar nach eigenem Gusto interpretieren, was wir keinesfalls dulden und wogegen wir konsequent vorgehen. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Verkehrsteilnehmer bildet diese Gruppe jedoch lediglich einen geringen Anteil, d.h. ein Großteil verhält sich regelkonform.

Unsere Kontroll- und Aufklärungsmaßnahmen im Straßenverkehr richten sich grundsätzlich an alle Verkehrsteilnahmearten, also Kfz-Führer, Radfahrer und Fußgänger. Dabei zielen wir auf ein rücksichtsvolles und entspanntes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer untereinander ab, was auch einmal den aktiven Verzicht auf ein Vorrecht voraussetzt.

Erkenntnisse über eine gezielte Aufklärungsaktion im Zusammenhang mit dem von Ihnen erwähnten Verkehrsunfall liegen auf Seiten des Polizeipräsidiums nicht vor. Häufig betreibt die Verkehrspolizeiinspektion Verkehrserziehung und -aufklärung an der Örtlichkeit von Unfällen mit Schwerverletzten oder tödlichem Ausgang zeitnah einen Infostand. Im Falle eines solchen Infostandes am Ort eines Unfalles mit der Ursache „Toter Winkel“ wird – gänzlich unabhängig von der Schuldfrage – auf die Gefahren des „Toten Winkels“ hingewiesen. Zielrichtung ist hier vorwiegend der Schutz von Radfahrern und Fußgängern als „Ungeschützte Verkehrsteilnehmer“. So sollen diese dafür sensibilisiert werden, dass oftmals gerade auch regelkonformes eigenes Verhalten keinen Schutz vor den Gefahren des „Toten Winkels“ und Fehlverhalten von Kfz-Führern bietet. Eine gezielte Anhaltung von Kfz-Führern an einer solchen Unfallstelle ist verkehrstechnisch oft nicht praktikabel und rechtlich nur sehr eingeschränkt umsetzbar.

Im Rahmen unserer Kampagne „Gscheid radln – aufeinander achten!“ von März bis September 2013 stellte die Vermeidung von Fehlverhalten der Kfz-Führer beim Abbiegen einen Schwerpunkt dar. Zur Erlangung ergänzender Informationen dürfen wir Sie auf unser Internetangebot unter www.polizei.bayern.de/muenchen/ hinweisen. Dort können Sie neben den Inhalten der Kampagne „Gscheid radln – aufeinander achten!“ auch das Lagebild „Ungeschützte Verkehrsteilnehmer Radfahrer – Fußgänger“ und unsere jährlichen Verkehrsberichte einsehen.

Wir hoffen, Ihnen mit unserer Antwort weitergeholfen zu haben und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Markus Koch
Polizeihauptkommissar

 

Außerdem wurden mir noch die Links zu zwei Flyern geschickt. Einer, mit dem andere Verkehrsteilnehmer auf dei Gefahren des Toten Winkels aufmerksam gemacht werden. Und ein zweiter, der momentan in größerer Stückzahl gedruckt und vor allem an Lieferunternehmen verteilt wird.

Es ist also nicht so, dass den Opfern (und potentiellen Opfern) solcher Unfälle durch solche „Belehrungsaktionen“ eine Mitschuld nach dem Motto „Selber Schuld, du weißt doch wie gefährlich es neben solchen Fahrzeugen ist“ aufgedrängt wird. Vielmehr wirbt die Polizei auf beiden Seiten für Vorsicht und Rücksichtnahme. Deshalb möchte ich mich hier auch für meine früheren, harschen Worte entschuldigen.

Und ein Tipp für die Zukunft: Solche Aktionen sollten anders kommuniziert werden. Denn eine Pressemeldung wie diese hier:

Aufgrund des schweren Radfahrunfalls am Montag, 21.10.2013, führt die Verkehrspolizeiinspektion Verkehrserziehung und ‑aufklärung in Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion 15 (Sendling) am Donnerstag, 24.10.2013, von 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr, im Gelände der Universität, Arcisstraße 21 bzw. in näherer Umgebung eine Verkehrsaufklärungsaktion durch. (Quelle)

Kann man schnell in den falschen Hals bekommen.

Es geht um unser Leben!

Im Oktober sind einige schwere Unfälle mit Radlfahrern geschehen, die von LKW-Fahrern nicht beachtet wurden. Bei einem davon ist eine 23-jährige im Bereich des Beckens von einem LKW überrollt worden. Aufgrund der Schwere des Unfalls hat die Polizei folgendes in einer Pressemitteilung angekündigt.

Aufgrund des schweren Radfahrunfalls am Montag, 21.10.2013, führt die Verkehrspolizeiinspektion Verkehrserziehung und ‑aufklärung in Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion 15 (Sendling) am Donnerstag, 24.10.2013, von 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr, im Gelände der Universität, Arcisstraße 21 bzw. in näherer Umgebung eine Verkehrsaufklärungsaktion durch. (Quelle)

Belehrungsflyer der Polizei

Belehrungsflyer der Polizei – Zum Vergrößern klicken

Dies hier, ist der Flyer, den die Polizei ausgeteilt hat. Die Tipps darauf haben es in sich

  • Meiden sie Bereiche unmittelbar vor und hinter sowie neben einem Bus oder Lkw: TOTER WINKEL. Der Fahrer so großer Fahrzeuge kann Sie eventuell nicht sehen!
  • Achten sie beim Überqueren von Kreuzungen nicht nur auf den Querverkehr; auch den rückwärtigen Verkehr beobachten („Schulterblick“)
  • Meist erleiden Radfahrer bei Verkehrsunfällen Kopfverletzungen. Schützen Sie sich deshalb mit einem gut passendem Fahrradhelm!
  • Mit heller, reflektierender Kleidung werden Sie bei schlechter Witterung, Dämmerung und Nacht besser gesehen.
  • Achten Sie auf funktionierende Beleuchtung!

Hier nochmal die Fakten zum Unfall:

  • Unfallzeitpunkt 21.10.2013, 13.40 Uhr. Mittagszeit bei bestem Wetter.
  • Die Studentin wurde im Bereich der Hüfte überrollt.
  • Der LKW-Fahrer hätte Vorfahrt gewähren müssen.

Diese Tipps sind ja schön und recht, aber wer die Anzahl socher Unfälle schlagartig halbieren will soll Assistenzsysteme in seine LKW’s einbauen. Die Technik dafür gibt es. Aber die Wirtschaft ist nicht bereit dafür Geld auszugeben und die Politik ist dazu bereit diese Unfälle billigend in Kauf zu nehmen. Wenn wenigstens jemand dafür gerade stehen würde. Aber nein – es sind ja Unfälle. Ich nenne das fahrlässige Tötung seitens der Spediteure,  unterlassene Hilfeleistung seitens der Politik und Strafvereitelung seitens der Polizei. Tut endlich was, es geht hier um unser Leben!