Lastenräder in München

Man sieht sie immer öfter. Diese zwei- bis dreirädigen, fahrradähnlichen Dinger, mit einer Kiste vorne oder hinten. Oft sitzen darin drei Kinder nebst einer Kiste Limo und der Ausrüstung für den Badeausflug einer Großfamilie. Wer schon mal ein Lastenrad genutzt hat, weiß wie unglaublich praktisch diese Dinger sind und dass sie mit ein bisschen Übung genauso leicht zu Fahren sind wie herkömmliche Fahrräder. Bisher war die Einstiegshürde in die Welt der Lastenräder relativ groß. Kaum jemand besaß eines, dass man ausprobieren konnte – meist nicht mal der Fahrradverleih. Der Anschaffungspreis von 2.000€ und mehr verbietet einen Kauf, wenn man von dem Nutzen nicht überzeugt ist. Und genau da passiert in München zur Zeit unglaubliches.

Angefangen hat das im März 2014. Damals gab es in München schon geschätzte 2000 Lastenräder in Privatbesitz. Der ADFC ist mit seinen Projekt „Daniel, Dein Lastenrad für München“ die Idee eines kostenlosen Lastenradverleihs (Vorbild war der Kasimir aus Köln) an die Öffentlichkeit gegangen. Drei Monate später wurde die Idee umgesetzt und jeder Münchner konnte sich seit dem ganz einfach, unbürokratisch und vor allem kostenlos ein Lastenrad tageweise ausleihen. Zusammen mit Radlbauer und einigen privaten Spendern konnte es finanziert werden. Die Organisation des Verleihs wird ehrenamtlich von einer Station zur nächsten weitergereicht.

Ebenfalls im März 2014 hat das Referat für Arbeit und Wirtschaft der Stadt München ein Förderprogramm für Lastenräder gestartet, dass sich an Gewerbetreibende richtet. Man konnte sich dazu für ein Jahr lang ein Lastenrad ausleihen oder einen Investitionszuschuss zum Kauf beantragen. Etwa ein Dutzend Lastenräder wurden damals angeschafft. Unter anderem an einen Maurer, der damit sein Material zur Baustelle bringt. Aktuell wird das Projekt evaluiert. Die Räder werden mit GPS Empfängern und pipapo ausgestattet um das Nutzungsverhalten zu untersuchen. Bei den Teilnehmern hört man schon jetzt fast nur positive Reaktionen.

Einige der von der Stadt angeschafften Lastenräder sind wohl nicht bei den Gewerbetreibenden gelandet. Deshalb vermietet das Referat für Arbeit und Wirtschaft momentan zwei Lastenräder für vier Wochen zu 30€ ohne Hilfsmotor bzw. 40€ als Padelec.

Der Erfolg des freien Lastenrads „Daniel“ veranlasste Thomas Schmidt vom ADFC und Raphael Draeger von Rehab Rebublic dazu, zu expandieren. Aktuell läuft auf Startnext eine Crowdfunding-Aktion mit der sie bis zu zehn unterschiedliche Lastenräder anschaffen wollen um sie überall in der Stadt verfügbar zu machen. Der Plan: Maximal 3km zum nächsten Lastenrad.

Außerdem tauchen zur Zeit überall in der Stadt Flyer von „VeloCity – Dein Lastenvelo“ auf. Ein Junges Team, die zehn oder mehr Lastenfahrräder an verschiedenen Plätzen in der Stadt anbieten wollen. Ebenfalls zu günstigen Preisen. Zum Schluss seien noch die Pedalhelden erwähnt, die nicht nur Lastenräder, sondern auch diverse Tandems, Rikschas und einige Skurilitäten verleihen.

Ein Filetstück der Münchner Radwegskunst

20140130-b11Heute habe ich ein richtiges Schmankerl für euch. Es handelt sich um eine Kreuzung, die man beinahe mit moderner Kunst verwechseln könnte. Die beiden haben etwa gemeinsam, dass sie für den normalen Bürger kaum noch zugänglich sind. In der modernen Kunst, muss man die Entstehungsgeschichte und den Kontext eines Werkes kennen, um den Sinn und Grundgedanken der künstlerischen Schöpfung zu verstehen.20140130-b11-2

Jetzt bin ich aber nur ein einfacher Radfahrer und mir fehlt wohl der intellektuelle Zugang zu dieser Radwegsführung. Der Blickwinkel der Künstler aus dem Planungsreferat ist für mich nicht fassbar, und so stehe ich regelmäßig an dieser Kreuzung und frage mich, was sich diese Menschen dabei nur gedacht haben könnten. Es handelt sich hier um die Kreuzung der Boschetsrieder Straße mit der B11 (Foto mitte)  und dem Greinerberg (Foto oben). Der Greinerberg ist eine Einbahnstraße und für den KFZ-Verkehr nur bergab zu befahren. Am rechten Straßenrand ist ein Radstreifen markiert. Noch ein Stück weiter rechts, auf dem Gehsteig, ist ein weiterer Radweg für alle Radfahrer, die den Berg hochfahren wollen. So weit so gut. Die Einbahnstraße konnte man dort nicht für die Radfahrer öffnen, also hat man nach einer Alternative gesucht und kurzerhand einen zusätzlichen Radweg angelegt. Oben angekommen verursacht das allerdings das ein oder andere Problem. Aber die München wäre nicht München, wenn es dafür nicht eine gute Lösung hätte. Das mittlere Foto bildet den Kernpunkt der Streckenführung ab.

20140130-b11-3Ich hab mal versucht, eine Replik des Bebauungsplans anzufertigen. Trotz einiger Fotos zur Orientierung hab ich etwas 15 DIN-A4 Blätter verschmiert, bis ich die Verkehrsführung zu Papier bringen konnte. In Grau sind die Straßen eingezeichnet, die benutzungspflichtigen Radwege in Blau. Ich bin ganz zufrieden damit.

 

Als besonderes Highlight der Radwegskunst möchte ich die Bettelampel hervorheben (siehe Foto mitte). Die ist zu allem Übel nämlich noch so angebracht, dass sie vom Radweg aus nicht erreichbar ist.  Eine deutlich übersichtlichere Streckenführung könnte man übrigens erreichen, indem man den Greinerber zur Fahrradstraße macht und für Autos sperrt. Aber hey, das könnte ja jeder.

 

Straßenbau hilft nicht gegen Stau

Ich hab einen sehr interessanten Artikel über die Langfristige Auswirkung des Straßenausbaus und der förderung des ÖPNV auf das Stauaufkommen. Dieser bestätigt eine Meinung die ich schon sehr lange vertrete aber nie richtig belegen konnte. Der Verkehr wird nicht entlastet wenn die Kapazitäten der Straßen ausgebaut werden.

Die Argumentation geht davon aus, dass der Verkehr ebenso wie andere Güter auch, ein Marktgleichgewicht anstrebt.

Ein Ausbau der Straßenkapazität und damit eine Ausweitung des Angebots senkt den Preis und induziert somit eine zusätzliche Nachfrage. Nachfrageüberhänge (= Stau) lassen die Kosten steigen. Bei einem hohen Stauaufkommen tendieren die Betroffenen dazu, unwichtige Fahrten zeitlich zu verschieben, andere Ziele anzufahren, andere Verkehrsmodi zu nutzen und nicht notwendige Fahrten zu unterlassen. Ein häufiges Auftreten von Staus lässt logischerweise die Forderung aufkommen, die Kapazität der Straße durch einen Ausbau zu erhöhen.

Wird die Maximalkapazität einer Straße erhöht, fängt der Stau etwas später an und endet etwas früher. Zur Spitzenzeit kommt der Verkehr dennoch zum erliegen. Gleichzeitig steigt die Gesamtzahl der Fahrzeuge auf der entsprechenden Straße. Eigentlich logisch. Ebenso wenig überrascht es, dass der ÖPNV entlang der stark genutzten Strecken eine besonders positive Wirkung auf das Verkehrsaufkommen hat.

Wenn es auf bestimmten Strecken Probleme mit dem hohen Verkehrsaufkommen gibt, dann ist die Lösung für mich ganz klar. Schafft alternativen zum Auto. Neue Straßen zu bauen bringt nichts sondern verlagert das Problem bestenfalls auf andere Gegenden (höheres Aufkommen auf Zubringerstraßen, gleiche Kapazität an den Zielorten). Die Alternativen zeigen aber erst dann ihre Wirkung wenn sich die Situation für den klassischen Weg (mit dem Auto) verschärft.  Möchte man den Anteil der Autos im Straßenverkehr vermindern kann man also entweder Straßen rückbauen oder umfunktionieren oder aber man reduziert die Anzahl der Parkplätze. Denn auch eine lange Parkplatzsuche verlängert die Fahrt, oder wie es Marin Randelhoff sagen würde – senkt das Angebot und erhöht somit den Preis für eine Fahrt mit dem Auto. Das Ergebniss ist eine Entlastung der Straßen (und damit mehr Platz für Bus und Fahrrad). Freie Fahrt für freie Bürger ist schon lange Zeit nur noch eine Illusion.

Wer jetzt sagt, dass der Verkehr in München doch gar nicht so schlimm ist, der soll doch mal zu den Spitzenzeiten am Ring einmal in Kreis fahren. Oder vom Süden nach Norden, gerne auch andersrum,  entlang der Isar. Oder über die Kreilerstraße von Osten kommend in die Stadt fahren. Wie es im Westen aussieht, weiß ich nicht.