Münchens Radwege und eine kleine Geschichte des Konjunktivs

Es gibt da diese Radverkehrsanlage in der Boschetsrieder Straße. Der Radweg dort stammt noch aus einer Zeit als man Radwege nicht für, sondern gegen Radfahrer gebaut hat. Er ist schmal, holprig, auf voller länge in der Door Zone und eben alles, was schlechte Radwege ausmacht.

Radweg in der Boschetsrieder Straße

©hamburgize

Ich wollte etwas dagegen tun. Im Sommer 2015 kam mir dann jemand zuvor. Bei der Bürgerversammlung im Stadtbezirk wurde der Antrag gestellt, der Radweg möge modernisiert werden. Was die Stadt darauf geantwortet hat, kann man hier nachlesen.

Da steht dann zum Beispiel sowas: „Die  Radwege variieren in ihrer Breite zwischen 1,10 m und 1,80 m und liegen damit überwiegend unter dem Standard für neu zu bauende Einrichtungsradwege.  Eine Verbreiterung der Radwege wäre wünschenswert. Eine einfache Lösung die Radwege zu Lasten der Gehwege zu verbreitern ist hier jedoch nicht möglich, da die Gehwege zum Großteil nur zwischen 1,50 m und 2,00 m breit sind und nicht weiter zu Gunsten des Radweges verschmälert werden können. Um die Situation zu optimieren, müsste der komplette Straßenquerschnitt auf 1,3 Kilometern Länge verändert werden, was einen enormen baulichen Aufwand bedeuten würde. Dazu müssten die Geh- und Radwege verbreitert und die markierten Parkmöglichkeiten versetzt werden, was schmälere Fahrbahnen zur Folge hätte.“

Richtig. Es wäre Wünschenswert, man müsste… das würde… Ist halt aufwändig… AUSREDEN!

Was aber gleich geht: „Zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit führt das Baureferat in diesem Jahr punktuelle Sanierungsmaßnahmen durch, indem Radwege und Zufahrten instandgesetzt und umgestaltet werden.“

Der Rest geht frühestens 2020, wenn in der Nähe eh gebaut wird.

Ich habe ein Jahr später nochmal nachgefragt. Als BA-Mitgleid kann ich Anträge stelle und das habe ich auch getan. Der Antrag wurde mehrheitlich angenommen (danke nochmal an die Grünen) und und das Antwortschreiben folgte prompt und etwas konkreter. Darin heißt es: „Wie bereits im Beschluss des Bezirksausschusses des Stadtbe­zirkes 19 Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Füstenried-Solln (Sitzungsvorlage Nr. 14-20/ V 03873) „Radweg in der Boschetsrieder Straße“ vom 08.09.2015 festgestellt, ist dies jedoch nur durch eine Umverteilung des Verkehrsraums möglich. Dazu müssten Stellplätze entfallen bzw. die Fahrbahnbreiten und ggf. auch die Anzahl der Fahrspuren reduziert werden. Die Beurteilung, ob diese Auswirkungen verträglich sind, liegt beim Referat für Stadtplanung und Bauordnung und beim Kreisverwaltungsreferat.

Nochmal im Klartext. Die Stadt München prüft, ob eine Umverteilung des Verkehrsraumes verträglich ist. Prüft auch irgendjemand, ob der angeordnete Radweg verträglich ist? Wohl nicht, denn wenn jemand die Anordnung überprüften würde (und dann müsste der Radweg neu beschieden werden), täte man feststellen, dass man diesen Radweg nicht hätte anordnen dürfen. Ziemlich viel Konjunktiv wenn man bedenkt, dass es hier um die Anwendung einer Rechtsverordnung geht.

 

Radgezwitscher

Ist München Radlhauptstadt?

Ihr kennt doch die Imagekampagne Radlhauptstadt der Stadt München. Das Projekt gibt es seit nunmehr 5 Jahren und wurde von Anfang an kritisiert. 2010 hat man die Kampagne ins Leben gerufen. Zusätzlich hat man die Radverkehrspauschale von 1,5 Mio. Euro auf 4,5 Mio Euro verdreifacht. Aus diesem Topf werden (so war es zumindest im Antrag der Grünen vorgesehen) Radwegebau und Öffentlichkeitsarbeit finanziert. Zum Vergleich, alleine die Nachrüstung des Trappentreutunnels kostet 25,6 Mio. Euro. 2015 investiert die Stadt München 118 Mio. Euro in die Mobilität ihrer Bürger. Bei diesen Zahlen wird schnell klar, die Radlhauptstadt München wird keine Infrastruktur schaffen, die ihrem Namen gerecht wird.

Das Ziel der Kampange kann man auf der Seite des BMVI zum nationalen Radverkehrsplan nachlesen. Zusammengefasst:

  1. Beitrag zur Steigerung des Radverkehrsanteils („Mehr Radverkehr“ = Quantität)
  2. Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit im Radverkehr („Mehr Fahrradkultur“ = Qualität)

Zur Steigerung des Radverkehrsanteils kann diese Kampagne einen Beitrag leisten. Es ist eine positiv formulierte Botschaft und motiviert Menschen zum Radlfahren. Welchen Einfluss die Kampagne tatsächlich hat, lässt sich natürlich schwer messen, aber immerhin steigt Radverkehrsanteil in München kontinuierlich an.

Diese positive Botschaft hat aber auch ihre Kehrseite. Es wird das Bild vermittelt, dass in München was für den Radverkehr getan wird und sogar eingefleischte RadlaktivistInnen haben mir schon gesagt, dass man in München eigentlich ganz vernünftig Radlfahren kann. In Wirklichkeit hinkt die Infrastruktur aber gewaltig hinterher. Radverkehr zu fördern funktioniert überall da, wo keine Nutzungskonflikte vorhanden sind. Einen guten Radweg hat man z.B. an der Nymphenburger Schlossmauer gebaut. Nur bracht diesen Radweg kaum jemand. An wichtigen Hauptverbindungsrouten fand eine wirklich gute Fahrradinfrastruktur noch nie eine Mehrheit. Beispiele: Lindwurmstraße, Rosenheimer Straße, Schleißheimer Straße, Dachauer Straße, Sonnenstraße, Landsberger Straße, Boschetsrieder Straße (ich könnte ewig so weitermachen). Selbst in der Kapuzinerstraße ist der aufgemalte Radweg an der unteren Grenze der legalen Möglichkeiten. Einen schlechteren Radweg dürfte man gar nicht mehr als benutzungspflichtig ausweisen. Dennoch wird gerade die Kapuzinerstraße als großer Erfolg gefeiert und von den RadlfahrInnen als guter Radweg empfunden.

München ist keine Radlhauptstadt. Münchens Fahrradinfrastruktur ist ein Haufen Scheiße. Wigand von Sassen, der Projektleiter der Imagekampagne, hat die undankbare Aufgabe daraus pures Gold zu machen. Er macht das ausgezeichnet und ich bin ihm dankbar dafür. Es gibt nämlich durchaus auch andere Kampagnen die nichts für die Sicherheit der RadfahrerInnen tun und dabei auch noch das Bild vermitteln, dass Radlfahren gefährlich sein. Dobrints BMVI macht das und wird berechtigterweise dafür kritisiert.

Es tut sich was (bedenkliches) in der Maxvorstadt

Planung Schleißheimer Straße.

Planung Schleißheimer Straße.

Normalerweise ist es immer ein Grund zum feiern, wenn sich der Stadtrat dazu durchringen kann, die Nahmobilität zu fördern und die Fahrradinfrastruktur ausbaut. In der Schleißheimer Straße wird das wohl geschehen (jippie). Dort wird ab Mai die Straße umgebaut. Es werden ein paar Bäume gepflanzt. Es wird in jede Richtung ein Fahrradstreifen mit einer Breite von 1,25m angelegt und der für fahrende PKWs zur Verfügung stehende Teil der Fahrspur wird sogar noch ein kleines Stück breiter und alle sind glücklich. Wirklich alle? Nein, ein kleines Dorf unbeugsamer… lassen wir den quatsch. Das geht natürlich auf Kosten des Fußweges. Momentan hat der Fußweg in Summe 7,45m. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten werden es insgesamt 4,35m sein. Ganze 3,1m weniger Fußweg um insgesammt 2,5m Schutzstreifen zu schaffen. So haben wir uns die Umverteilung des öffentlichen Raumes wirklich nicht vorgestellt. Jetzt kann man natürlich sagen, die Schleißheimer Straße hat Fußgänger noch nie zum flanieren eingeladen. Das ist richtig. Merkst‘ selber, oder?

Die vollständigen Pläne sind im RIS zu finden.

Ein Filetstück der Münchner Radwegskunst

20140130-b11Heute habe ich ein richtiges Schmankerl für euch. Es handelt sich um eine Kreuzung, die man beinahe mit moderner Kunst verwechseln könnte. Die beiden haben etwa gemeinsam, dass sie für den normalen Bürger kaum noch zugänglich sind. In der modernen Kunst, muss man die Entstehungsgeschichte und den Kontext eines Werkes kennen, um den Sinn und Grundgedanken der künstlerischen Schöpfung zu verstehen.20140130-b11-2

Jetzt bin ich aber nur ein einfacher Radfahrer und mir fehlt wohl der intellektuelle Zugang zu dieser Radwegsführung. Der Blickwinkel der Künstler aus dem Planungsreferat ist für mich nicht fassbar, und so stehe ich regelmäßig an dieser Kreuzung und frage mich, was sich diese Menschen dabei nur gedacht haben könnten. Es handelt sich hier um die Kreuzung der Boschetsrieder Straße mit der B11 (Foto mitte)  und dem Greinerberg (Foto oben). Der Greinerberg ist eine Einbahnstraße und für den KFZ-Verkehr nur bergab zu befahren. Am rechten Straßenrand ist ein Radstreifen markiert. Noch ein Stück weiter rechts, auf dem Gehsteig, ist ein weiterer Radweg für alle Radfahrer, die den Berg hochfahren wollen. So weit so gut. Die Einbahnstraße konnte man dort nicht für die Radfahrer öffnen, also hat man nach einer Alternative gesucht und kurzerhand einen zusätzlichen Radweg angelegt. Oben angekommen verursacht das allerdings das ein oder andere Problem. Aber die München wäre nicht München, wenn es dafür nicht eine gute Lösung hätte. Das mittlere Foto bildet den Kernpunkt der Streckenführung ab.

20140130-b11-3Ich hab mal versucht, eine Replik des Bebauungsplans anzufertigen. Trotz einiger Fotos zur Orientierung hab ich etwas 15 DIN-A4 Blätter verschmiert, bis ich die Verkehrsführung zu Papier bringen konnte. In Grau sind die Straßen eingezeichnet, die benutzungspflichtigen Radwege in Blau. Ich bin ganz zufrieden damit.

 

Als besonderes Highlight der Radwegskunst möchte ich die Bettelampel hervorheben (siehe Foto mitte). Die ist zu allem Übel nämlich noch so angebracht, dass sie vom Radweg aus nicht erreichbar ist.  Eine deutlich übersichtlichere Streckenführung könnte man übrigens erreichen, indem man den Greinerber zur Fahrradstraße macht und für Autos sperrt. Aber hey, das könnte ja jeder.

 

Der Radweg an der Rosenheimer Straße

Der Stadtrat hat entschieden. Die Rosenheimer Straße bekommt vorerst keinen Radweg und die Anwohner sind verärgert. Während man sich überall in der Stadt gegen benutzungspflichtige Radwege empört, kämpfen die Haidhausener um Einen. Und beides hat seine Berechtigung, denn eine Verwaltungsvorschrift zur StVO sagt:

Benutzungspflichtige Radwege dürfen nur angeordnet werden, wenn ausreichende Flächen für den Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen. Sie dürfen nur dort angeordnet werden, wo es die Verkehrssicherheit oder der Verkehrsablauf erfordern. Innerorts kann dies insbesondere für Vorfahrtstraßen mit starkem Kraftfahrzeugverkehr gelten.

An der Rosenheimer Straße wäre ein benutzungspflichtiger Radweg tatsächlich angebracht. Nur hat er, nach ansicht der CSU und SPD dort keinen Platz. Statt dessen will man nochmal alternative Routen prüfen und wissen, ob man die Parkplätze wirklich braucht. Dabei wurde von einem Gutachter versichert, dass es den Verkehr nicht merklich behindern würde. Am Beispiel der Kapuzinerstraße, sieht man ja auch, dass es geht. In einer anderen großen autofahrerfreundlichen und radfahrerfeindlichen Stadt – Hamburg – hat man es gewagt, eine viel befahrene Straße von vier auf zwei Spuren zu verkleinern. Und die Hamburger sind zufrieden. Viele Leute haben sogar das Gefühl, der Verkehr würde jetzt irgendwie flüssiger rollen.

Dabei geht es hier bestimmt nicht nur um mehr Sicherheit auf der Straße, sondern auch um mehr Lebensqualität. Weniger Hupen, weniger Autos, weniger Verkehr und bessere Luft sind Dinge, die sich Anwohner wünschen. Ich persönlich finde es unsäglich, was sich der Stadtrat hier erlaubt. Es existiert ein gutes Konzept für die Rosenheimer Straße. Eine Umgestaltung ist für die Sicherheit, nicht nur der Radfahrer, nötig. Und unsere Politiker vertagen eine Entscheidung auf die ferne Zukunft, bzw. haben sich bereits deutlich gegen die Wünsche der Münchner entschieden. Meiner Meinung nach, gibt es jetzt eine Hand voll Alternativen wie es weiter geht.

  1. Wir sitzen es aus. Es wird so lange nichts gemacht, bis sich die Aufregung gelegt hat und es geht weiter wie bisher. Das ist die dumme Variante.
  2. Man bekennt Farbe. Die Rosenheimer Straße, so wie sie momentan gestaltet ist,  ist für den Radverkehr ungeeignet. Deshalb kann man sie auch für Radfahrer sperren und durch Polizeikontrollen sicherstellen, dass das auch einghalten wird. Das wäre die einfachste Variante.
  3. Oder aber, man nimmt ein paar Liter Farbe in die Hand und malt einen Radweg. Das geht über nacht. Wenn sich zeigt, dass es nichts taugt, dann entfernt man die Markierung (auch über nacht) wieder und kann sich noch zwischen 1) und2) entscheiden. Das ist die mutige Variante.

Ich persönlich bevorzuge Variante 4. Die Rosenheimer Straße muss entsprechend dem Vorschlag (Seite 7, Variante b) umgestaltet werden. Ich habe deswegen mal einen Petition vorbereitet. Wer das gut findet, kann sich die Vorlage ausdrucken und sich bei mir melden, wenn sich ein paar Unterzeichner gefunden haben. Mal schauen, ob sich was tut.

PetitionRosenheimerStr

Edit: Es gibt jetzt eine Online-Petition. In Zeiten des Internets natürlich viel bequemer.

https://www.openpetition.de/petition/online/jetzt-radfahrstreifen-in-der-rosenheimer-strasse-sicheres-radeln-braucht-platz

 

München und die Geisterradler

Man hat den Eindruck, sie haben in den letzten Jahren erheblich zugenommen: Radfahrer, die ganz selbstverständlich in der falschen Richtung auf dem Radweg unterwegs sind und dabei erwarten, dass ihnen der radelnde Gegenverkehr nach rechts ausweicht. Auch die Medien berichten gern über das Phänomen, wenn die Polizei das Thema in den Fokus rückt.

Geisterradeln ist riskant und spielt eine erhebliche Rolle bei Fahrradunfällen – die Münchner Polizei bezeichnet das Geisterradeln sogar als Unfallursache Nummer Eins bei Radfahrern. Unerwähnt bleibt dabei meistens, wie es mit einer möglichen Mitverantwortung der anderen Kollisions-Beteiligten aussieht.

Pragmatisch betrachtet, müssen alle Verkehrsteilnehmer mit Geisterradlern rechnen: Radfahrer, die korrekt auf dem rechten Radweg unterwegs sind. Fußgänger, die einen Radweg überqueren möchten. Rad- und Autofahrer, die einen Radweg überqueren, also beim Abbiegen oder an einer Kreuzung. Und solche Fahrer, die aus einer Ausfahrt kommend auf die Fahrbahn wollen.

Eigentlich handelt es sich bei diesem Phänomen speziell um Radweg-Geisterradler: Es kommt zwar auch vor, dass eine Einbahnstraße gegen die Richtung beradelt wird, die noch nicht dafür freigegeben ist. Diese Geisterradler auf der Fahrbahn werden vom Gegenverkehr immerhin gut wahrgenommen. Aber kaum ein Radfahrer käme auf die Idee, eine Fahrbahn auf der linken (!) Straßenseite zu beradeln, egal ob mit oder ohne Schutzstreifen für Radfahrer.

Wie kommt es dann, dass auf Radwegen ganz selbstverständlich Linksverkehr praktiziert wird, als sei man bei den Briten? Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat schreibt: Der Einrichtung von Zwei-Richtungen-Radwegen wurde, von begründeten Ausnahmen abgesehen, eine Absage erteilt. So genannte „Geisterradler“ seien schon jetzt ein Hauptunfallproblem, das die Planung nicht noch befördern dürfe.

In München sind in den letzten Jahren etliche dieser Ausnahmen aus dem Boden geschossen – ob gut begründet, sei dahingestellt. An manchen Stellen ist offensichtlich, dass man den Radlern einen Umweg ersparen wollte oder das praktizierte Radeln gegen die Richtung legalisieren, und sei es nur für wenige Meter (siehe Bild). Oder Radler, die die Abkürzung über den Gehweg nahmen, auf einen Radweg lotsen wollte. Mancher Zweirichtungsradweg ist so schmal, dass man sehr aufpassen muss, nicht mit dem geplanten und legalen Gegenverkehr zu kollidieren – oder mit Fußgängern:

Übergang am Uni-Hauptgebäude

Bild: Kurzer Zweirichtungsradweg in der Ludwigstraße am Uni-Hauptgebäude

 

Offenbar begünstigt diese Politik der teils provisorisch anmutenden Zweirichtungsradwege, dass Radfahren gegen die Richtung von etlichen Radlern als völlig normal und unbedenklich wahrgenommen wird – zumindest setzt mancher seinen Weg auf der linken Seite weit über die erlaubte Strecke hinaus fort. Und mit zunehmenden Radverkehr fallen die Geisterradler stärker auf und behindern öfter andere Radfahrer, weil auch der Gegenverkehr zunimmt.

(Dies ist eine überarbeitete Fassung eines Eintrags im Maxvorstadtblog.)

Neulich, vor der Bäckerei

 

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Der Blick nach links…

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… und nach rechts.

Neulich, ich wollte mir einen Kaffee holen – vieleicht auch eine Quarktasche. So genau kann ich das nicht mehr sagen. Was ich allerdings noch recht gut weiß, nicht zuletzt weil ich es fotodokumentarisch festhalten konnte, war das Bild, welches sich mir auf dem Gehweg vor der Bäckerei bot. Natürlich ärgerte ich mich darüber -schließlich bin in ein bekennender Pedant – und dachte mir, da müss man doch etwas dagegen tun. Mein nächster Gedanke war, nein, nicht man müsste etwas dagegen tun, sondern die Polizei. Jetzt standen die beiden Falschparker, vieleicht sogar drei(?), aber ich meine die Transporter, nicht lange auf dem Gehsteig. Links, der hat die andere Bäckerei beliefert, rechts… Naja, die Leute waren im Laden und haben gefrühstückt. Klar ist, wenn die Polizei gegen solche Kurzzeitparkvertöße etwas machen soll, dann müsste sie die Geh- und Radwege rund um Uhr überwachen und das kann niemand wollen. Aber weil in meinem Viertel zur Zeit immer mehr Autofahrer vogelwild und völlig Hirnlos parken, hab ich bei der zuständigen Polizeidienststelle angefragt wie viele Mitarbeiter denn für die Überwachung des ruhenden Verkehrs, also Politessen und Politeure, im Dienstbereich zuständig sind. Ich wollt halt einfach wissen, wie es im 19. Stadtbezirk so aussieht… Ich habe von der Polizei auch eine Antwort bekommen, und vorweg, ja… Ihr habt mein Anliegen zu meiner vollsten Zufriedenheit beantworten können. Vielen Dank für die Mühe, die ihr euch bei der Kommunikation mit dem Bürger macht. Das ist sehr Vorbildlich – Nicht!

Bitte verstehen Sie, dass wir weder zu rein organisatorischen noch zu strategischen Fragen hinsichtlich Einsatzstärken Auskunft erteilen.
Sollten Sie ein konkretes Anliegen im Zusammenhang mit dem ruhenden Verkehr haben, bitten wir Sie dies mitzuteilen um entsprechend reagieren zu können.
Wir hoffen Ihre Anfrage hiermit zufriedenstellend beantwortet zu haben und verbleiben

Das Radl zum Schluss

20131103-radweg

Aus Sicht der Radfahrer…

 

20131103-strasse

… und aus Sicht der Autofahrer

Welchen Stellenwert das Radl in München – die Stadt nennt sich immerhin Radlhauptstadt – tatsächlich hat, sieht man meiner Meinung nach an kaum einer Stelle besser als in Thalkirchen. Etwa in Höhe der Kletterhalle gibt es einen (benutzungspflichtigen) Radlweg entlang der Thalkirchner Straße. An der Kreuzung zur Axel-von-Ambesser-Straße (eine Sackgasse mit Zufahrt zu 9 Häusern) muss man als Radfahrer bremsen und dem Querverkehr die Vorfahrt gewähren während gleichzeitig die parallel dazu verlaufende Thalkirchner Straße eine Vorfahrtsstraße ist. Jetzt ist es aber so, dass direkt an der Kreuzung ein Trafohäuschen steht und die Sicht behindert, so dass der Radverkehr erst auf den letzten Metern auf die Straße sieht und umgekehrt. Die wenigen Anwohner wissen um die Problematik und in der Praxis sieht es so aus, dass sich Radlfahrer und Autofahrer vorsichtig an die Kreuzung herantasten und wenn keiner kommt (und das ist dort meistens der Fall) losfahren. Manchmal aber kommt es vor, dass sich die Wege kreuzen und was dann passiert ist sinnbildlich für die ganze Stadt. Der Radlfahrer muss stehen bleiben und für den Autofahrer geht es weiter – und zwar etwa 20 Meter bis zur Thalkirchner Straße. Dort muss er dann warten. Wenn man den Verkehr also mal der Priorität nach ordnet – den unwichtigsten Teilnehmer zuerst dann sieht die Liste in etwa so aus:

  • Fahrrad
  • Auto
  • viele Autos

Wenn wir die ersten beiden Punkte der Liste austauschen könnten, dann wäre schon viel gemacht. Ich denke die meisten Radfahrer sehen es durchaus ein, dass es in der Stadt auch immer Straßen geben wird, auf denen der motorisierte Verkehr schon in der Planung Vorrang hat und vielleicht auch haben muss. An allen anderen Stellen wünsche ich mir, dass der Radverkehr das Sagen hat. München sollte 47% Fahrradstraßen haben, nicht 47.

47 Fahrradstraßen in München – Ihr wollt mich wohl verarschen?

Übersicht aller Fahrradstraßen in München

Übersicht aller Fahrradstraßen in München.

Unsere Radlhauptstadt München ist ganz stolz darauf 47 Straßen als Fahrradstraßen ausgezeichnet zu haben. Wenn man sich die Liste aber genau anschaut, dann wird eines schnell klar. Das ist eine Mogelpackung. Auf den ersten Blick sieht das ja gar nicht schlecht aus, auch wenn es für meinen Geschmack zu viele im Münchner Westen und zu wenige im Zentrum sind. Gerade Rund um die LMU oder im Glockenbachviertel sind richtig viele Radfahrer und auch Autos unterwegs. Dort könnte man mit Fahrradstraßen wirklich etwas für die Radler tun. Naja…

750m Fahrradstraße, bestehend aus 5 Teilstücken

Karl-Lipp-Straße, die Gaggenaystraße, die Gleismüllerstraße, die Wetzenbachstraße und die Templestraße. Zusammen 750 Meter.

Interessant ist aber vor allem etwas anderes. Viele der Fahrradstraßen sind nur wenige hundert Meter lang (wenn überhaupt!) und und bilden erst zusammen etwas, das den Namen Fahrradstraße verdient. Da sind zum Beispiel östlich vom Mosacher Bahnhof die Karl-Lipp-Straße, die Gaggenaystraße, die Gleismüllerstraße, die Wetzenbachstraße und die Templestraße. Ein aus fünf Straßen zusammenhängendes Stück – Insgesamt 750 Meter lang und in einer Lage wo sich Radfahrer und Autofahrer quasi nicht in die Quere kommen können.

Das nicht in die Quere kommen beschreibt die Situation allgemein ganz gut. Restlos alle Fahrradstraßen verlaufen entlang relativ verkehrsarmer Strecken und nur die Wenigsten liegen auf den für Radlpenlder wichtigen Wegen. Wenn ich alle die Fahrradstraßen zussammenzähle, die wirklich sinnvoll sind (ganz subjektiv) und dabei zusammenhängende Stücke als jeweils eine Straße zähle, dann komme ich auf neun Fahrradstraßen. Als unnsinnig habe ich dabei alle Sackgassen betrachtet, sowie alle Straßen die in sehr verkehrsarmen Gebieten liegen oder nur kurze Stücke sind.

sackgasse-1

Unsinnige Sackgasse

Ich möchte nicht undankbar sein, aber in der Praxis verbessert das die Situation der Radfahrer in München kaum. Richtiges Lob gibt es meiner Meinung nach nur für die Clemensstraße, die Behringstraße (parallel zur Würm) und die Preysingstraße mit der Verlängerung in die Wolfgangstraße. Alle anderen hätte man sich sparen können. Was man dabei aber nicht vergessen sollte: Es ist ein Anfang. Und ich hoffe, dass die Stadt München das Fahrradnetz weiter ausbaut und dabei auch die ein oder andere wirklich wichtige Verbindung zur Fahrradstraße macht. Momentan sind sie halt an Stellen die auf dem täglichen Weg in die Arbeit, in die Uni oder in die Schule einen Umweg bedeuten würden, wollte man sie benutzen. Oder wie seht ihr das? Seid ihr regelmäßig auf einer der 9 (naja gut, 47) Münchner Fahrradstraßen unterwegs?