Radschnellwege für München und das Umland

Glaubt man der Sueddeutschen Zeitung, dann könnte München bald ein Radschnellnetz bekommen. Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München hat ein Konzept erarbeitet, das die flotten Radverbindungen von allen Seiten bis in die Stadt führen könnte. Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Sauerlach, Kirchheim, Ismaning, Garching und Unterschleißheim könnten bald mit (hoffentlich) kreuzungsfreien Radwegen an die Stadt angeschlossen werden. Sogar die CSU und Freien Wähler haben sich dafür ausgesprochen, wenn auch mit einiger Skepsis. „Müssen wir wirklich so große Anstrengungen unternehmen, damit die Kampf-Radler statt 25 nun 32 Stundenkilometer schnell fahren können?“, fragt der FW Kreisrat Sedlmair. JA!, denn wenns so klappt (32km/h sind sportlich) fährt man damit etwa 30% schneller und deutlich sicherer. Kreuzungen sind schließlich nicht nur zeitraubend sondern auch die gefährlichsten Stellen für Radlfahrer.

Helmut Horst von der CSU regt auch gleich an, die acht Verbindungen auf zwei zu kürzen. Schließlich gibt sehr viele Hürden, die man überwinden müsse. Ich vermute Horst meint damit die Parkplätze und Fahrspuren die wegfallen könnten wenn man den Radverkehr fördern würde. Das ist immerhin eine Urangst der CSU. Allgemein ist Radverkehrsförderung nichts womit sie die CSU schmücken kann und wenn sie es doch einmal versucht, ist es immer ein Grund skeptisch zu sein.

Vielleicht wäre es auch wichtig nochmal zu betonen, dass der Vorstoß nicht vom Münchner Stadtrat kommt, sondern vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München. Warum ich das so betone? Nunja, der Stadtrat hält nicht viel davon, wenn von außen Pläne für Radschnellwege herangetragen werden. Der ADFC hat das schon mal versucht. Im Februar 2014 wurde dem Stadtrat ein sehr detailiertes Konzept übergeben. Die Grünen haben damals den Antrag gestellt, das Konzept umzusetzen. Vom Orginalantrag ist nach der Sitzung nicht mehr viel übrig geblieben. Um genau zu sein: Gerade ein Satz lässt erahnen, dass da mal über Radverkehrsförderung gesprochen wurde. Die kreuzungsfreie Querung des Frankfurter Rings und der Heidemannstraße soll geprüft werden.

Es fahren also noch viele Radlfahrer die Lindwurmstraße runter bis sich in München etwas tun wir und bevor Radlfahrer an wichtigen Knotenpunkten Vorrang und Vorfahrt haben, wird das Erdöl zur neige gehen (Und die deutschen vom Elektroauto Abstand nehmen). In anderen Städten ist man da weiter.

AOK Bladenight 2015

CC BY-NC-SA 2.0 by Stadtneurotiker https://www.flickr.com/photos/neudinho37/

CC BY-NC-SA 2.0 by Stadtneurotiker
https://www.flickr.com/photos/neudinho37/

Auch 2015 wird es (bei schönem Wetter) jeden Montag von Mai bis September eine Bladenight geben. Diese Veranstaltung gibt es mittlerweile seit 1999 und gilt für mich mittlerweile als feste Institution in Sachen umweltfreundliche Mobilität und (breiten-) sportlichen Engagement. Los geht’s am 4. Mai um 19.00 Uhr auf dem Platz vor dem Verkerhszentrum des Deutschen Museums. Es werden (wie immer) noch Ordner gesucht. Wer Lust hat sich zu Engagieren kann sich hier Informieren. Wer auf dem Laufenden bleiben will, kann der Bladenight bei Facebook oder (seit neuestem auch) auf Twitter folgen. Mal sehen ob es auch dieses Jahr regelmäßig über 5000 Teilnehmer sein werden.

 

Der Radweg an der Rosenheimer (2)

Er wird wohl kommen. Der Radweg zwischen Orelansstraße und Gasteig. Allerdings nicht so, wie sich das viele RadlfahrerInnen wünschen. Die von den RadlfahrerInnen bevorzugte Planungsvariante sah einen zwei Meter breiten Radstreifen vor (zzg. Sicherheitsabstand zu parkenden Autos). Dafür hätte die Rosenheimer Straße eine Fahrspur verloren.
Der Vorschlag zu dem sich die Rathauskoalition jetzt wohl einigen wird, sieht vor, dass die vier Fahrspuren auf je 2,85m verschmälert werden. Dafür werden die Gehwege breiter und die RadlfahrerInnen bekommen links und rechts je 1,50m benutzungspflichtigen Fahrradstreifen. Die Mitglieder des Stadtrats haben damit mal wieder bewiesen, dass das Fahrrad für sie einfach keine Herzensangelegenheit ist. Was in der Rosenheimerstraße kommen wird, ist eine mutlose Minimallösung und vielleicht nicht mal besser als gar nix.

Tempo 30, es tut sich was

CC BY-NC-SA 2.0 DE by  Tom Magliery https://www.flickr.com/photos/mag3737/

CC BY-NC-SA 2.0 DE by Tom Magliery
https://www.flickr.com/photos/mag3737/

Innerorts Tempo 30 als reguläre Geschwindigkeitsbegrenzung und 50km/h nur noch ausnahmsweise. Das wäre sicherlich ein Traum vieler Radlfahrer und sinnvoll wäre es allemal. Freilich stößt das auf Widerstand. Wenn der BR darüber berichtet dann unter der Schlagzeile „Provokante Forderung – Verkehrsclub fordert Tempo 30 innerorts“
Doch es tut sich was. Vielleicht. Zumindest vor Schulen und Kitas.

Der Beitrag der Polizei

Ich hab’s ja schon einmal gesagt und ich kann es nur wiederholen. In München kommt das Fahrrad ganz zum Schluss. Das ist in Verkehrsplanung so – Das ist auch bei der Polizei so. Unter diesem Link findet man einen Pressebricht des Poizeipräsidiums München vom 10.04.2015. Es ist eine Sonderbeilage zur Pressekonferenz „Gscheid radln – aufeinander achten!“

Ich vermisse dort einige wichtige Punkte:

  1. Die Empfehlung zum Tragen eines Helmes für Autofahrer blieb unerwähnt. 26% der Unfallbedingten Hirnverletzungen gingen auf das Konto von PKW-Insassen. Fahrradfahrer und Fußgänger schaffen es zusammen auf etwa 1%. Ich persönlich empfehle sogar eine Helmpflicht für Autofahrer. Das würde innerhalb weniger Jahre die Zahl der Autofahrer um 44% senken und wäre damit ein bedeutender Beitrag zur Sicherheit der Radlfahrer.
  2. Es fehlt auch der Hinweis, dass Autofahrer sich nicht durch Musikwiedergabegeräte ablenken lassen sollten. Obwohl erwiesen ist, dass das die Konzentrationsfähigkeit senkt.
  3. Es fehlt auch der Hinweis, dass das Auto in bunten, leutenden, glitzernden und reflektierenden Farben zu bemalen ist (auffällig!!!). Auf den vielen schlecht ausgeleuchteten und unübersichtlichen Straßen naben den vorbildlichen Radlwegen sind sie sonst kaum zu sehen.
  4. Es fehlt auch unbedingt der Hinweis, dass die Handybentutzung während der Autofahrt verboten ist. Zwar ist das vom Gesetzgeber so geregelt, aber trotzdem!

Radlfahrer werden selbstverständlich auf alle diese Punkte hingewiesen.

Tipps für Radlfahrer, Fußgänger und Autofahrer sind (mal mehr, mal weniger sinnvoll) genug dabei. Was allerdings wirklich fehlt, ist ein Hinweis, was Politik und Stadtplanung zur Sicherheit der Radlfahrer tun können. Gute Fahrradinfrastruktur ist meiner Meinung nach das Einzige, was wirklich vor Unfällen schützen kann. Fehlverhalten, ob absichtlich oder nicht, wird es auf der Straße immer geben. Für Unachtsamkeiten im Auto, zu Fuß oder auf dem Fahrrad braucht es keine Musik, kein Handy, keine blendende Sonne und Unfälle können immer passieren. Was wir brauchen ist eine Verkehrsführung die nicht zum Geisterradeln einlädt, die keine Linksabbieger dazu auffordert sich rechts einzuordnen, die freie Fahrt beim Rechtsabbiegen schafft. Bei jeder einzelnen Pressemeldung vergisst die Polizei darauf hinzuweisen, dass der Unfall auch deshalb passieren konnte, weil die baulichen Bedingungen es zugelassen haben.

Liebe Polizei, wenn Sie so hartnäckig für eine Fahrradfreundliche Infrastruktur werben würden, wie Sie es für Helme tun, würden Sie einen Beitrag zur Vermeidung von Unfällen leisten. Mit Ihren Hinweisen auf den Fahrradhelm leisten Sie einen Beitrag zur Vermeidung von Verletzungen. Und selbst das ist strittig.

Fahrräder in die (Schweizer) Verfassung

In der Schweiz kämpft die Veloinitiative dafür, dass die Förderung von Alltags- und Freizeit-Veloverkehr in der Verfassung festgeschrieben wird. In den Kommentaren zum Online-Artikel im Schweizer Tagesanzeiger versucht ein Autofahrer schon im Vorhinein zu intervenieren und sagt, dass das ja alles schön und recht wäre, aber die Finanzierung für Radwege doch bitte nicht die Autofahrer zu tragen hätten. Die Antwort, die er bekommen hat, ist ohne redaktionelle Änderungen zitierfähig:

Die Autofahrer stehen sich ja heute gegenseitig im Weg und schreien nach weiterem Ausbau der Stassen. Dies bedeutet, dass mehr Platz pro Auto geschaffen werden soll. Dies würde viele Milliarden kosten, sofern wir überhaupt soviel Kulturland asphaltieren wollen.
Ein Auto mit einem Fahrer im Berufsverkehr belegt ca 12 Quadratmeter. Ein Velofahrer belegt ca 1 Quadratmeter. Das heisst, dass jeder Autofahrer der aufs Velo umsteigt ca 11 Quadratmeter freigibt. Dies ist nur statisch gerechnet. Dynamisch ist der Unterschied noch viel grösser. Von dieser Verlagerung profitieren die verbleibenden Autofahrer, welchen das Ausdemwegräumen ihrer Platzkonkurrenten zugute kommt.
Mit der Verlagerung inkl Radwegbau ist der geforderte Platz (inkl Parkplätze) viel kostengünstiger realisierbar als mit dem Ausbau von Autostrassen. Somit ist die Finanzierung aus der Autokasse durchaus sachgerecht und fair.
(Werner Graf)

Dem ist nur noch eines hinzuzufügen:

Critical Mass am 27. März

SaoPauloEine außerplanmäßige Critical Mass wird es am 27. März geben. Sao Paulo bittet um internationale Solidarität. Ich werde dem Wunsch gerne nachkommen. Wer noch?

Treffpunkt: 20 Uhr an der Bavaria

 

12 Tips für den bitterkalten Winter

CC-by-sa 3.0/de by H3PO4

CC-by-sa 3.0/de by H3PO4

Es ist wieder soweit. Es wird kalt und nach und nach werden wieder wahnsinnig hilfreiche 12 Tips in den Online-Zeitungen und Blogs auftauchen, die man allesamt beachten sollte. Außer man möchte sich jeden Tag eine irrsinnig gemeine Erkältung zuziehen und sich gleich beim ersten Schneefall alle Knochen brechen. Ich habe habe natürlich auch ein paar Tips für euch. Allerdings nicht ganz so viele. Die üblichen habe ich unter Punkt 1 zusammengefasst. Vom zweiten solltet ihr gebrauch machen wenn dieser nicht mehr zielführend ist.

  1. Benutzt euren natürlichen, gottgegebenen Menschenverstand um nicht zu frieren und um das Rad (so wie man das auch im Sommer tun sollte) in Schuss zu halten.
  2. Belegt eine Kurzwahltaste eures Mobiltelefons mit der Telefonnummer des Winterdienstes. In München wäre das die 089 233-61201. Wenn der Schnee auch dieses Jahr wieder auf euren Wegen liegen bleibt, wird euch da geholfen.