Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei!

Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei!

Folgende Punkte hätten wir [Die Polizei (anm. der Redaktion)] gerne für nächsten Freitag angesprochen:

  1. Die Münchner Polizei sieht ihren Auftrag vorrangig im Schutz der Radfahrer. Gemeinsames Ziel muss sein, dass alle Radfahrer und Einsatzkräfte unfallfrei und gesund nach Hause kommen.
  2. Wir sorgen dafür, dass alle Radler unfallfrei über die Kreuzung kommen; man muss uns nur lassen. D.h. wir müssen ungefähr wissen, wohin der nächste Streckenabschnitt hinführt.
  3. Mit einem Katz-und Maus-Spiel an der Spitze ist keinem geholfen. Wenn der Radfahrer an der Spitze dem Polizisten auf dem Rad neben sich die nächste Richtungsänderung rechtzeitig ansagt, können unsere Motorradfahrer den Weg frei machen.
  4. Bitte lasst das „Korken“ sein. Die Sperrung von Querstraßen gerade bei Dunkelheit ist gefährlich und Aufgabe der Polizei. Seht es als „Service-Leistung“.
  5. Eine Critical Mass ist kein rechtsfreier Raum. Bei Verkehrsstraftaten oder bei Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit werden wir konsequent einschreiten. Aktionen, wie z. B. ein Einfahren in den Altstadtringtunnel oder ein absichtliches Ausbremsen bzw. Anfassen eines fahrenden Polizeimotorrades sind schlichtweg gefährlich und sind sicherlich nicht im Sinne der Masse der Teilnehmer.
  6. Auch für Radfahrer gelten Promillegrenzen.
  7. Benutzt nicht die gesamte Fahrbahnbreite, sondern fahrt möglichst am rechten Fahrbahnrand.
  8. Bei Problemen vor Ort kann man einfach mit einem begleitenden Polizeibeamten reden.

Ich bin guter Hoffnung, dass wir so die „CM“ in Zukunft konfliktfrei über die Bühne bekommen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Nitzbon
Polizeihauptkommissar

Ich war ja bei der letzten Critical Mass nicht dabei. Ich bin nur zufällig am Kiosk der Reichenbachbrücke vorbeigekommen, als etwa 200 RadlfahrerInnen gerade dort ankamen. 200 Menschen auf Fahrrädern und gefühlte 100 uniformierte Polizisten mit großen Autos, Motorrädern, Videokameras zur Beweissicherung und den ganzen Kram. Für mich war klar, dass wir miteinander reden müssen. Also habe ich den Kontakt gesucht und wurde am 5. Juli 2016 ins KVR eingeladen.

Ich habe auf Twitter übrigens gelogen. Die Polizei ist ganz vernünftig. Es gab nur keinen Kaffee. Statt dessen gab es ein Gespräch mit vier Polizeibeamten, drei Mitarbeitern des KVR und mir. Mein Anliegen war es, zu erklären, wie ein Critical Mass funktioniert und warum das alles so seine Richtigkeit hat. Aber natürlich gibt es dabei unterschiedliche Ansichten. Beispielsweise muss ein Verband laut StVO in Zweierreihen fahren und darf dabei eine Fahrspur belegen, das Corken an Kreuzungen könnte man durchaus auch als Nötigung interpretieren und scheinbare Planlosigkeit in der Streckenwahl macht es der Polizei unmöglich alle sicher durch den Verkehr zu bringen… Ich hatte das Gefühl, die Polizei könne noch ewig so weitermachen.

Dabei war allen Beteiligten druchaus bewusst, dass ohne dem Corken die CM durch den MIV gefärdet wird, dass Zweierreihen bei einer so großen Gruppe nicht wirklich praktikabel sind und dass oft erst an der Kreuzung entschieden wird, wo es lang geht.

Nach und nach kristallisierte sich heraus, dass die Streckenwahl der größte Reibungspunkt zwischen der CM und der Münchner Polizei ist und der letzte Freitag im Monat wird deutlich entspannter für alle, wenn die Polizei zumindest grob den Weg kennt. Wir haben uns darauf geeinigt, dass die Spitze zumindest ein paar Kreuzungen im Vorraus das Ziel der Gruppe nennt. Wenn ich alles richtig verstanden habe, wird an der Spitze ein Polizist mit Frahhrad mitfahren. Redet mit ihm!

Einige werden sich jetzt fragen, warum gerade ich mit herausnehme, für die Critical Mass zu sprechen. Und in der Tat, die CM ist eine heterogene Gruppe ohne Organisatoren. Es steht mir nicht zu, für jeden von euch zu sprechen und ich möchte das auch nicht. Trotzdem habe ich diesen Blog, der durchaus eine Reichweite in die Gruppe hinein hat. Ich habe angeboten, über diesen Weg die Anliegen und Meinungen der Polizei in die CM zu kommunizieren. Und auch andere haben nach der letzten Critical Mass den Kontakt zur Polizei gesucht.

9 commentaires sur “Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei!

  1. Wär aber ganz nett, wenn die Polizei nichtmehr mit den Autos in die Fahrradmasse schneidet, das ist nämlich 100 mal gefährlicher als ein Motorrad anzufassen. Hat letztes mal ganz knapp einen Unfall verursacht und die Beamten haben ziemlich uncool reagiert als wir sie drauf aufmerksam machten, dass sie uns grade quasi fast überfahren hätten. Und wir waren echt höflich. Wirklich.
    (konkret fand die Situation statt in der Humboldtstrasse wo das Polizeiauto in den Gegenverkehr fuhr um dann festzustellen dass da kein Platz ist und dann wieder versucht hat in die von den Fahrrädern belegte Spur einzuscheren- Ohne Sirene oder Blaulicht oder gar Blinker)
    Also wär super wenn die Polizei ein bisschen weniger gestresst ist, dann kommt es nicht zu solche Situationen und alle (Teilnehmer und Begleitung) können entspannter an die Sache herangehen.

  2. Das wäre doch mal sehr interessant, den Vorschlag der Polizei, alle CM-Teilnehmer in Zweierreihen durch München fahren zu lassen, umzusetzen -ohne zu korken- Der MIV dürfte sich darüber sehr freuen, wenn dieser statt 10-20 Minuten an der Kreuzung nun über 1 Stunde warten muss! An diesem Beispiel erkennt man einmal mehr, wie Theorie und Praxis weit auseinander klaffen!

  3. 10-20 Minuten sind wohl etwas übertrieben. Ich habe selten gesehen, dass die CM in München länger als eine 3 Minuten über eine Kreuzung braucht.

  4. Da hat @RadwegH die CM wohl mit der Bladenight verwechselt 🙂 Letztere funktioniert übrigens ohne Probleme dank Abstimmung. Nur Harry G regt sich auf, wenn er nicht über die Kreuzung kommt…

  5. Nun ist das kein Vorschlag der Polizei sondern entspricht der StVO.
    „Mehr als 15 Rad Fahrende dürfen einen geschlossenen Verband bilden. Dann dürfen sie zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren.“

    Ob das praktikabel ist oder nicht ist da erstmal nicht die Frage. Solang sich die CM auf §27 StVO beruft sollte das also zumindest mal jedem klar sein. Meiner Meinung nach sollte es zumindest schaffbar sein nur eine Spur zu belegen bei mehrspurigen Straßen.

  6. Für einen Unwissenden, der noch nie dabei war:
    Was bedeutet „Korken“ und „MIV“?

    Danke,

    Uli

  7. Vielleicht sollten die Herren von Team Blau sich mal mit ihren Kollegen aus Hamburg kurzschließen. Hier verhalten die sich nämlich sehr umgänglich und es ist durchaus zu hören, daß gerade die Motorradpolizisten die CM-Schichten gerne machen, weil sie so entspannt sind.

  8. MIV = Motorisierter Individualverkehr
    Corken = An Kreuzungen einen Korridor für die Radfahrer bilden und damit verhindern, dass Autos in den Verband drängeln

  9. In Köln gab es ganz ähnliche Debatten, vielleicht können Sie dort auch mal anrufen. Das „abgesprochene“ Vorgehen halte ich für gefährlich, und dazu noch für einen gefährlichen Präzedenzfall. Wenn die Polizei, und nur die Polizei, mit Motorrädern korkt ist quasi einprogrammiert, dass sie mit den Motorrädern über den Geh/Radweg oder quer durch die Masse wieder nach vorne fahren müssen. Und das ist gefährlicher, als wenn Radfahrer corken und sich dann einfach wieder einreihen. Zudem kann die Polizei bei langen „Massen“ nicht überall corken – dann versuchen doch wieder Autofahrer, reinzudrängeln. Punkt 7 (Rechtsfahrgebot) lädt zum engen überholen ein (heißt das, ihr sollt in Einer-Reihe fahren?)

    Der Status Quo in Köln ist:
    – Die Polizei fährt in der Masse nur mit Fahrrädern mit. Es corken alle Mitfahrer – d.h. solche in Polizeiuniform und „normale“ Mitfahrer. Die Polizisten werden ausgelöst und können gemütlich wieder nach vorne fahren. Bei Konflikten wirkt die Polizeiuniform durchaus de-eskalierend.
    – Zwei Polizeiwagen fahren ganz hinten mit. Das reduziert Drängelaktionen von nachkommenden Autofahrern.
    – Die Polizei toleriert Tunneldurchfahrten und ähnliches.
    – Die Strecke wird an der Strecke von der Gruppe vorne grob abgesprochen („lass mal hierlang, lass mal dalang“). Die Polizei hört mit, wird aber nicht extra informiert. Einfahrt in Kreuzungen passiert nur bei Grün, deswegen muss man auch vorher nix sperren.

    Der Wendepunkt in Köln war übrigens dieser Artikel und die folgenden Diskussionen im Präsidium: http://www.express.de/koeln/riskante-fahrmanoever–critical-mass—koelner-polizei-rast-mit-motorrad-ueber-buergersteig-22680126

    Eine letzte ideologische Bemerkung: Bei der CM geht es für mich auch darum, dass sich Bürger die Straße im Rahmen des StVO-Regelspielraums zurückerobern. Eine „betreute CM“ wie in Stuttgart oder (anscheinend jetzt) in München widerspricht für mich diesem Gedanken. Vor allem, wenn die Ansagen so wie dort oben sind.

    Salut,
    Martin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.