Ist München Radlhauptstadt?

Ihr kennt doch die Imagekampagne Radlhauptstadt der Stadt München. Das Projekt gibt es seit nunmehr 5 Jahren und wurde von Anfang an kritisiert. 2010 hat man die Kampagne ins Leben gerufen. Zusätzlich hat man die Radverkehrspauschale von 1,5 Mio. Euro auf 4,5 Mio Euro verdreifacht. Aus diesem Topf werden (so war es zumindest im Antrag der Grünen vorgesehen) Radwegebau und Öffentlichkeitsarbeit finanziert. Zum Vergleich, alleine die Nachrüstung des Trappentreutunnels kostet 25,6 Mio. Euro. 2015 investiert die Stadt München 118 Mio. Euro in die Mobilität ihrer Bürger. Bei diesen Zahlen wird schnell klar, die Radlhauptstadt München wird keine Infrastruktur schaffen, die ihrem Namen gerecht wird.

Das Ziel der Kampange kann man auf der Seite des BMVI zum nationalen Radverkehrsplan nachlesen. Zusammengefasst:

  1. Beitrag zur Steigerung des Radverkehrsanteils („Mehr Radverkehr“ = Quantität)
  2. Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit im Radverkehr („Mehr Fahrradkultur“ = Qualität)

Zur Steigerung des Radverkehrsanteils kann diese Kampagne einen Beitrag leisten. Es ist eine positiv formulierte Botschaft und motiviert Menschen zum Radlfahren. Welchen Einfluss die Kampagne tatsächlich hat, lässt sich natürlich schwer messen, aber immerhin steigt Radverkehrsanteil in München kontinuierlich an.

Diese positive Botschaft hat aber auch ihre Kehrseite. Es wird das Bild vermittelt, dass in München was für den Radverkehr getan wird und sogar eingefleischte RadlaktivistInnen haben mir schon gesagt, dass man in München eigentlich ganz vernünftig Radlfahren kann. In Wirklichkeit hinkt die Infrastruktur aber gewaltig hinterher. Radverkehr zu fördern funktioniert überall da, wo keine Nutzungskonflikte vorhanden sind. Einen guten Radweg hat man z.B. an der Nymphenburger Schlossmauer gebaut. Nur bracht diesen Radweg kaum jemand. An wichtigen Hauptverbindungsrouten fand eine wirklich gute Fahrradinfrastruktur noch nie eine Mehrheit. Beispiele: Lindwurmstraße, Rosenheimer Straße, Schleißheimer Straße, Dachauer Straße, Sonnenstraße, Landsberger Straße, Boschetsrieder Straße (ich könnte ewig so weitermachen). Selbst in der Kapuzinerstraße ist der aufgemalte Radweg an der unteren Grenze der legalen Möglichkeiten. Einen schlechteren Radweg dürfte man gar nicht mehr als benutzungspflichtig ausweisen. Dennoch wird gerade die Kapuzinerstraße als großer Erfolg gefeiert und von den RadlfahrInnen als guter Radweg empfunden.

München ist keine Radlhauptstadt. Münchens Fahrradinfrastruktur ist ein Haufen Scheiße. Wigand von Sassen, der Projektleiter der Imagekampagne, hat die undankbare Aufgabe daraus pures Gold zu machen. Er macht das ausgezeichnet und ich bin ihm dankbar dafür. Es gibt nämlich durchaus auch andere Kampagnen die nichts für die Sicherheit der RadfahrerInnen tun und dabei auch noch das Bild vermitteln, dass Radlfahren gefährlich sein. Dobrints BMVI macht das und wird berechtigterweise dafür kritisiert.

4 commentaires sur “Ist München Radlhauptstadt?

  1. Hinweis: Andreas Groh, der Stellvertretende Vorsitzenden des ADFC München hat mich gebeten klarzustellen, dass dies nicht die Meinung des ADFCs ist und auch nicht mit dem ADFC abgestimmt war.
    Matthias

    Solche Statements sind total legitim und stehen euch gut zu Gesicht. Man liest hier viel, was der ADFC denken, aber nicht sagen darf. Das ist auch gut so, good cop – bad cop. Nur eines ist immer wieder enervierend, wenn das Thema Kapuzinerstrasse auf den Tisch kommt. Aus unserer Sicht ist die Lösung gut, aus eurer Sicht ist die Lösung eher ein Witz. Was ist denn der Witz? Was ist denn die Ideallösung, die auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt realisierbar wäre? Es ist doch klar, dass zwischen der Lindwurmstrasse und dem Kapuzinerplatz keine zufriedenstellende Lösung möglich ist, es sei denn man sperrt diesen Teil für den Autoverkehr. Klasse Idee, aber gegenwärtig realisierbar? Leider nicht.
    Wenn die Kapuziner-Lösung in Lindwurmstraße, Rosenheimer Straße, Schleißheimer Straße, Dachauer Straße, Sonnenstraße, Landsberger Straße, Boschetsrieder Straße usw. Anwedung fände, wären wir als ADFC schon mal ganz schön zufrieden. Ist aber dermaßen Zukunftsmusik. Wenn der Druck von der Strasse nicht erheblich anwächst dauert das noch ewig. Und da seid ihr jetzt gefordert, weil der ADFC da nicht so reingehen kann. Weitermachen CMM und nicht nachlassen.

  2. Matthias, weiter so – ab mit den Finger in die Wunde!

    Ich wünsche mir nur die Einhaltung eines Vorsatzes: „Radverkehr auf die Straße!“

    Die simple Erkenntnis ist (soweit ich weiß) bereits als Grundsatz in der StVO verankert…

    Mit freundlichem Gruß aus der Rosenheimer Straße! 🙂

  3. Wenn München Radlhauptstadt wäre, hätte man es nach 16 Jahren ja endlich mal geschafft die ganzen blauen Lollies abzumontieren – das kostet fast nix und man würde sich sogar an geltendes Recht halten. Danach kann man dann über Radverkehrsinfrastruktur reden und wenn sie gut gemacht ist, wird sie auch ohne blauen Lollie benutzt.

    Aber wenn man auf solche Gedanken kommt, dann wäre man ja eine Radlhauptstadt und bräuchte keine Imagekampagne.

  4. Pingback: Dachauer Straße - ein Radweg mit Problem | Maxvorstadtblog

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