Critical Mass – Family Ride am 31. Mai

Radgezwitscher

Ist München Radlhauptstadt?

Ihr kennt doch die Imagekampagne Radlhauptstadt der Stadt München. Das Projekt gibt es seit nunmehr 5 Jahren und wurde von Anfang an kritisiert. 2010 hat man die Kampagne ins Leben gerufen. Zusätzlich hat man die Radverkehrspauschale von 1,5 Mio. Euro auf 4,5 Mio Euro verdreifacht. Aus diesem Topf werden (so war es zumindest im Antrag der Grünen vorgesehen) Radwegebau und Öffentlichkeitsarbeit finanziert. Zum Vergleich, alleine die Nachrüstung des Trappentreutunnels kostet 25,6 Mio. Euro. 2015 investiert die Stadt München 118 Mio. Euro in die Mobilität ihrer Bürger. Bei diesen Zahlen wird schnell klar, die Radlhauptstadt München wird keine Infrastruktur schaffen, die ihrem Namen gerecht wird.

Das Ziel der Kampange kann man auf der Seite des BMVI zum nationalen Radverkehrsplan nachlesen. Zusammengefasst:

  1. Beitrag zur Steigerung des Radverkehrsanteils („Mehr Radverkehr“ = Quantität)
  2. Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit im Radverkehr („Mehr Fahrradkultur“ = Qualität)

Zur Steigerung des Radverkehrsanteils kann diese Kampagne einen Beitrag leisten. Es ist eine positiv formulierte Botschaft und motiviert Menschen zum Radlfahren. Welchen Einfluss die Kampagne tatsächlich hat, lässt sich natürlich schwer messen, aber immerhin steigt Radverkehrsanteil in München kontinuierlich an.

Diese positive Botschaft hat aber auch ihre Kehrseite. Es wird das Bild vermittelt, dass in München was für den Radverkehr getan wird und sogar eingefleischte RadlaktivistInnen haben mir schon gesagt, dass man in München eigentlich ganz vernünftig Radlfahren kann. In Wirklichkeit hinkt die Infrastruktur aber gewaltig hinterher. Radverkehr zu fördern funktioniert überall da, wo keine Nutzungskonflikte vorhanden sind. Einen guten Radweg hat man z.B. an der Nymphenburger Schlossmauer gebaut. Nur bracht diesen Radweg kaum jemand. An wichtigen Hauptverbindungsrouten fand eine wirklich gute Fahrradinfrastruktur noch nie eine Mehrheit. Beispiele: Lindwurmstraße, Rosenheimer Straße, Schleißheimer Straße, Dachauer Straße, Sonnenstraße, Landsberger Straße, Boschetsrieder Straße (ich könnte ewig so weitermachen). Selbst in der Kapuzinerstraße ist der aufgemalte Radweg an der unteren Grenze der legalen Möglichkeiten. Einen schlechteren Radweg dürfte man gar nicht mehr als benutzungspflichtig ausweisen. Dennoch wird gerade die Kapuzinerstraße als großer Erfolg gefeiert und von den RadlfahrInnen als guter Radweg empfunden.

München ist keine Radlhauptstadt. Münchens Fahrradinfrastruktur ist ein Haufen Scheiße. Wigand von Sassen, der Projektleiter der Imagekampagne, hat die undankbare Aufgabe daraus pures Gold zu machen. Er macht das ausgezeichnet und ich bin ihm dankbar dafür. Es gibt nämlich durchaus auch andere Kampagnen die nichts für die Sicherheit der RadfahrerInnen tun und dabei auch noch das Bild vermitteln, dass Radlfahren gefährlich sein. Dobrints BMVI macht das und wird berechtigterweise dafür kritisiert.

Radschnellwege für München und das Umland

Glaubt man der Sueddeutschen Zeitung, dann könnte München bald ein Radschnellnetz bekommen. Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München hat ein Konzept erarbeitet, das die flotten Radverbindungen von allen Seiten bis in die Stadt führen könnte. Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Sauerlach, Kirchheim, Ismaning, Garching und Unterschleißheim könnten bald mit (hoffentlich) kreuzungsfreien Radwegen an die Stadt angeschlossen werden. Sogar die CSU und Freien Wähler haben sich dafür ausgesprochen, wenn auch mit einiger Skepsis. „Müssen wir wirklich so große Anstrengungen unternehmen, damit die Kampf-Radler statt 25 nun 32 Stundenkilometer schnell fahren können?“, fragt der FW Kreisrat Sedlmair. JA!, denn wenns so klappt (32km/h sind sportlich) fährt man damit etwa 30% schneller und deutlich sicherer. Kreuzungen sind schließlich nicht nur zeitraubend sondern auch die gefährlichsten Stellen für Radlfahrer.

Helmut Horst von der CSU regt auch gleich an, die acht Verbindungen auf zwei zu kürzen. Schließlich gibt sehr viele Hürden, die man überwinden müsse. Ich vermute Horst meint damit die Parkplätze und Fahrspuren die wegfallen könnten wenn man den Radverkehr fördern würde. Das ist immerhin eine Urangst der CSU. Allgemein ist Radverkehrsförderung nichts womit sie die CSU schmücken kann und wenn sie es doch einmal versucht, ist es immer ein Grund skeptisch zu sein.

Vielleicht wäre es auch wichtig nochmal zu betonen, dass der Vorstoß nicht vom Münchner Stadtrat kommt, sondern vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München. Warum ich das so betone? Nunja, der Stadtrat hält nicht viel davon, wenn von außen Pläne für Radschnellwege herangetragen werden. Der ADFC hat das schon mal versucht. Im Februar 2014 wurde dem Stadtrat ein sehr detailiertes Konzept übergeben. Die Grünen haben damals den Antrag gestellt, das Konzept umzusetzen. Vom Orginalantrag ist nach der Sitzung nicht mehr viel übrig geblieben. Um genau zu sein: Gerade ein Satz lässt erahnen, dass da mal über Radverkehrsförderung gesprochen wurde. Die kreuzungsfreie Querung des Frankfurter Rings und der Heidemannstraße soll geprüft werden.

Es fahren also noch viele Radlfahrer die Lindwurmstraße runter bis sich in München etwas tun wir und bevor Radlfahrer an wichtigen Knotenpunkten Vorrang und Vorfahrt haben, wird das Erdöl zur neige gehen (Und die deutschen vom Elektroauto Abstand nehmen). In anderen Städten ist man da weiter.