Aktion zum Thema „Toter Winkel“ der Münchner Verkehrspolizei

Gestern habe ich eine Pressemeldung der Münchner Verkehrspolizei gelesen, die mich dann doch überrascht hat. Ohne weiter Kommentare: Bitteschön!

Bei unserer Auswertung der Verkehrsunfälle im ersten Halbjahr 2014 für den Dienstbereich des PP München mussten wir zum wiederholten Mal feststellen, dass die Unfälle mit der Unfallursache „Falsches Abbiegen/Wenden/Rückwärtsfahren“ bzw. dem Phänomen „Toter Winkel“ mit an vorderster Stelle standen. Dabei handelt es sich hier nur um von der Polizei aufgenommene Verkehrsunfälle, die Dunkelziffer nicht polizeilich erfasster bzw. die Zahl der Beinahe-Unfälle darf dabei nicht unterschätzt werden. Neben einer Vielzahl von Verletzten gab es bedauerlicherweise heuer bereits wieder zwei Tote, ein Radfahrer und ein Fußgänger, die jeweils von einem abbiegenden Lkw überrollt wurden. Zur Erinnerung: Im gesamten vergangenen Jahr waren im Zusammenhang mit der Ursache „Toter Winkel“ drei Tote zu beklagen.

Ein neuer Flyer mit dem Titel „Augenblick bitte!“ sensibilisiert Lkw- und Autofahrer beim Rechtsabbiegen, Blickkontakt mit Radfahrern und Fußgängern aufzunehmen. Durch die eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten im Straßenverkehr entstehen oft Missverständnisse. Umso wichtiger ist es, sich klar und eindeutig zu verständigen. Studien zeigen hier, dass Sie mit einer freundlichen Geste weitaus mehr erreichen als mit einer strikten Aufforderung.

Man muss letztendlich feststellen, dass trotz umfangreicher Aufklärungs- bzw Kontrollaktionen und technischer Maßnahmen der „Tote Winkel“ nach wie vor häufig die Unfallursache bei besonders tragischen Verkehrsunfällen ist.

Gefährdet sind alle Verkehrsteilnehmer, wobei die Unfallfolgen bei den ungeschützten Verkehrsteilnehmern, Fußgänger und Radfahrer, besonders schwer sind. Deshalb sollte sich gerade diese Personengruppe, sowie insbesondere Fahrer von Schwer- und Nutzfahrzeugen unbedingt mit dieser brisanten Thematik auseinandersetzen. Für Kinder findet eine Sensibilisierung für dieses Thema durch Lehrer und Polizeibeamte im Rahmen der schulischen Ausbildung in der Jugendverkehrsschule in der 4. Klasse statt.

Bekanntermaßen versteht man unter „Toter Winkel“ die Bereiche des Verkehrsraumes, die ein Fahrer weder direkt noch durch die Spiegel einsehen kann. Diese Bereiche befinden sich demnach vor, hinter und neben dem Fahrzeug. Damit der Fahrer diese Bereiche besser einsehen kann, wurden besondere Zusatzspiegel entwickelt; teilweise werden sogar Kameras an den Fahrzeugen angebracht. Inzwischen sind bei Neufahrzeugen schon insgesamt sechs Rück-, Rampen- und Frontspiegel vorgeschrieben.

Aber trotz dieser technischen Verbesserungen ist der Fahrer der entscheidende Sicherheitsfaktor. Wenn der direkte Blickkontakt zum anderen Verkehrsteilnehmer nicht möglich ist, ist der Fahrer auf die Spiegel angewiesen. Deshalb muss zur Unfallvermeidung das Wissen um die Gefahren der „Toten Winkel“ durch bestimmte Handlungsweisen des Fahrers erweitert und von ihm Folgendes beachtet werden, nämlich,

  • dass er sich über die „Toten Winkel“ seines Fahrzeugs bewusst ist und sich vor allem beim Rückwärtsfahren von einem Einweiser helfen lässt.
  • beim Rechtsabbiegen den Weg der Fußgänger und Radfahrer kreuzt, deshalb vor dem Abbiegen wiederholt in den Spiegel schaut und bei unklarer Verkehrslage nur in Schrittgeschwindigkeit abbiegt.
  • besonders auf Kinder und Senioren achtet, weil diese die Gefahren häufig nicht richtig einschätzen können und sich deshalb oft unberechenbar verhalten.
  • bedenkt, dass asphärische Spiegel zwar den „Toten Winkel“ reduzieren, jedoch durch die verkleinerte Abbildung die Entfernungen schwerer abschätzbar sind.

Fußgängern und Radfahrern empfehlen wir dringend,

  • dass sie den Bereich unmittelbar vor und hinter sowie neben Bussen oder Lkw meiden. sie besonders auf Großfahrzeuge achten, die nach rechts abbiegen wollen (Blinker beachten).
  • versuchen, mit dem Fahrer in Blickkontakt zu kommen und sich durch Handzeichen bemerkbar machen. auf ihren Vorrang verzichten, wenn sie nicht sicher sind, ob der Fahrer sie gesehen hat.
  • unbedingt den Zwischenraum zwischen dem Schwerfahrzeug und dem Bordstein meiden, weil sich bei einem rechts abbiegenden Bus oder Lkw die Hinterräder gefährlich der Borsteinkante nähern. Dies gilt besonders für nachlaufende Anhänger.

Letztendlich trägt aber auch die Sichtbarkeit und Wahrnehmbarkeit dieser Verkehrsteilnehmer wesentlich dazu bei, dass Unfälle vermieden werden, weshalb man

  • insbesondere bei Dunkelheit oder schlechter Witterung helle, gut sichtbare Kleidung, möglichst mit reflektierenden Streifen tragen soll.
  • genauestens darauf achteten soll, dass sein Fahrrad mit den vorgeschriebenen Beleuchtungseinrichtungen ausgestattet ist und diese auch funktionieren! Elektronisches Standlicht bietet zusätzliche Sicherheit.
  • die Stellen, an denen man die Fahrbahn überqueren will, mit größter Sorgfalt auswählt und gesicherten Überwegen (Ampel oder Zebrastreifen) den Vorzug gibt!

Wenn Sie als Verkehrsteilnehmer diese Empfehlungen beachten und zusätzlich die Grundregel des § 1 der StVO „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ verinnerlichen, helfen Sie aktiv mit – für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.

4 commentaires sur “Aktion zum Thema „Toter Winkel“ der Münchner Verkehrspolizei

  1. Gut, hoffentlich kommen das auch ein paar Personen zu Gesicht. Insbesondere:
    „beim Rechtsabbiegen den Weg der Fußgänger und Radfahrer kreuzt, deshalb vor dem Abbiegen wiederholt in den Spiegel schaut und bei unklarer Verkehrslage nur in Schrittgeschwindigkeit abbiegt.“
    Dieser Punkt ist meinem Empfinden nach der wichtigste. Klar, gibt es vielleicht für Sekundenbruchteile jeweils einen toten Winkel, aber gerade Autofahrer könnten ein Fahrrad oft sehen, wenn sie denn tatsächlich schauen bzw. nicht zu schnell abbiegen würden.
    Ach und ja, diese Grafik könnte man auch etwas weiterverbreiten 😉 http://siggis-seiten.de/a/Prinzip_Radweg.htm

  2. Kann man die Aufforderung den Bereich „rechts im toten Winkel“ zu meiden als offizielle Erlaubnis verstehen, die Radwege nicht mehr benutzen zu müssen? Oder wie stellt sich die Polizei das vor?

  3. Aus meiner Sicht fehlt der Hinweis, wie wichtig das Blinken beim Abbiegen/Spurwechseln/Ausparken ist. Auch wenn es nicht passieren sollte, kann es schon einmal vorkommen, dass man als Autofahrer jemanden übersieht. Aber so habe ich als Fahrradfahrer zumindest die Chance zu reagieren.

  4. Regel Nummer Eins (von Unfallforschern bestätigt): Sehen und Gesehen werden. Schlechte Sichtachsen (baulich abgetrennte Radwege) bergen hohes Risikopotential.

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