Ein Filetstück der Münchner Radwegskunst

20140130-b11Heute habe ich ein richtiges Schmankerl für euch. Es handelt sich um eine Kreuzung, die man beinahe mit moderner Kunst verwechseln könnte. Die beiden haben etwa gemeinsam, dass sie für den normalen Bürger kaum noch zugänglich sind. In der modernen Kunst, muss man die Entstehungsgeschichte und den Kontext eines Werkes kennen, um den Sinn und Grundgedanken der künstlerischen Schöpfung zu verstehen.20140130-b11-2

Jetzt bin ich aber nur ein einfacher Radfahrer und mir fehlt wohl der intellektuelle Zugang zu dieser Radwegsführung. Der Blickwinkel der Künstler aus dem Planungsreferat ist für mich nicht fassbar, und so stehe ich regelmäßig an dieser Kreuzung und frage mich, was sich diese Menschen dabei nur gedacht haben könnten. Es handelt sich hier um die Kreuzung der Boschetsrieder Straße mit der B11 (Foto mitte)  und dem Greinerberg (Foto oben). Der Greinerberg ist eine Einbahnstraße und für den KFZ-Verkehr nur bergab zu befahren. Am rechten Straßenrand ist ein Radstreifen markiert. Noch ein Stück weiter rechts, auf dem Gehsteig, ist ein weiterer Radweg für alle Radfahrer, die den Berg hochfahren wollen. So weit so gut. Die Einbahnstraße konnte man dort nicht für die Radfahrer öffnen, also hat man nach einer Alternative gesucht und kurzerhand einen zusätzlichen Radweg angelegt. Oben angekommen verursacht das allerdings das ein oder andere Problem. Aber die München wäre nicht München, wenn es dafür nicht eine gute Lösung hätte. Das mittlere Foto bildet den Kernpunkt der Streckenführung ab.

20140130-b11-3Ich hab mal versucht, eine Replik des Bebauungsplans anzufertigen. Trotz einiger Fotos zur Orientierung hab ich etwas 15 DIN-A4 Blätter verschmiert, bis ich die Verkehrsführung zu Papier bringen konnte. In Grau sind die Straßen eingezeichnet, die benutzungspflichtigen Radwege in Blau. Ich bin ganz zufrieden damit.

 

Als besonderes Highlight der Radwegskunst möchte ich die Bettelampel hervorheben (siehe Foto mitte). Die ist zu allem Übel nämlich noch so angebracht, dass sie vom Radweg aus nicht erreichbar ist.  Eine deutlich übersichtlichere Streckenführung könnte man übrigens erreichen, indem man den Greinerber zur Fahrradstraße macht und für Autos sperrt. Aber hey, das könnte ja jeder.

 

3 commentaires sur “Ein Filetstück der Münchner Radwegskunst

  1. So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein… Ich finde diese Konstruktion ziemlich gelungen und ein Beispiel für fahrradfreundliche Planung. O.k., die Beschilderung ist Unfug (VZ 254 gilt eigentlich für die ganze Straße) und die Bettelampel ist Murks (wenn man schon Geld für eine Hauptradroute investiert, warum bringt man dort Bettelampeln an, wenn der parallele Autoverkehr aus der Boschetsrieder Straße sowieso grün hat?!). Aber der Rest?

    Hast du dir mal angeschaut, wie die Straße auf Google Street View noch aussieht? 2010/2011 wurde die Fahrbahn verschmälert und dafür der Radweg gebaut (der Radfahrstreifen existierte bereits). Zuvor mussten Radfahrer bergauf dort entweder schieben oder bis zu einem Kilometer Umweg fahren (oder zum Geistefahrer werden). Die Verkehrsführung am oberen Ende des Greinerberges ist auch in Ordnung, auf deinen Bildern und Google Maps wirkt es zumindest nicht so, dass die Gestaltung sehr dazu animieren würde, am oberen Ende des Greinerberges Richtung Süden einfach auf der falschen Seite weiter zu fahren.

    Welche Alternativen hätte es gegeben, um Radfahrern Umwege zu ersparen? Natürlich könnte man den Berg für KFZ sperren und als reine Fahrradstraße widmen. Aber dafür ist die Verkehrsbedeutung für den KFZ-Verkehr zu hoch und für den Radverkehr zu gering; der Nutzen einer solchen Sperrung wäre den Aufstand, den man durch eine solche Planung auslösen würde, nicht wert (zumal ich persönlich von Fahrradstraßen nicht viel halte, mir sind de-facto-Vorfahrtsstraßen in Tempo-30-Zonen vielfach lieber; Radverkehr soll nicht auf extra dafür ausgewiesene Flächen verbannt werden).

    Ebenfalls möglich gewesen wäre eine Führung des Radverkehrs auf der westlichen (also bergauf rechten) Seite der Fahrbahn. Dann wäre das Problem am oberen Ende der Staße aber viel gravierender, da man dann dort – entgegen der Fahrtrichtung – die Abbiegespur queren müsste.

    Hast du denn Ideen, wie man er hätte besser machen können (oder nachträglich noch verbessern könnte)?

  2. Tja, „schönes“ Beispiel, dass Radfahrerspezialbeglückungsanlagen nicht nur als Altplanungslast aus dem letzten Jahrtausend nichts taugen, wenn sie nach ein paar hundert Metern „Entflechtung“ wieder auf die städtischen Verkehrsnetz-Realitäten treffen.

    Bergauf müsste ich erst noch prüfen, ob Routen den Greinerberg hoch mir was bringen. Patscheampeln werden von mir grundsätzlich als defekt erkannt und deshalb ohne Akrobatik oder künstliche Wartephase verkehrsgerecht ignoriert.

    Bergab bevorzuge ich aus Sicherheitsgründen die oberirdische Fahrbahn der Brudermühlstraße. Ein Radfahrstreifen den Greinerberg hinab mit einem 8%-Gefälle geht gar nicht, wegen überfrierender Nässe von tagsüber schmelzenden Schneehaufen gleich doppelt nicht. Ich stürze nurmehr ungern und fahre schon auf der Boschetsriederstraße bei den ernstgenommenen Fahrzeugen.

  3. Du hast recht. Die Wahrnehmung kann sehr unterschiedlich sein. So wie ich das sehe hat der Greinerberg keinerlei Verkehrstechnische Bedeutung. Es ist eine Einbahnstraße die in ein Wohngebiet führt. Wer da hin muss, kann entweder weiter südlich die Maria Einsiedel Straße nehmen oder weiter nördlich über die Brudermühlstraße fahren. Das selbe gilt natürlich für alle die durchfahren wollen. Natürlich kann man jetzt sagen, dass es auch für die Radfahrer keine wirklich wichtige Strecke ist, aber es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Radwegsplanung möglichst so passieren soll, dass der KFZ-Verkehr davon nichts merkt.

    Wie man gegen die Fahrtrichtung einfädeln kann, sieht man ein paar hundert meter südlich beim Schmiedberg.

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