Der Radweg an der Rosenheimer Straße

Der Stadtrat hat entschieden. Die Rosenheimer Straße bekommt vorerst keinen Radweg und die Anwohner sind verärgert. Während man sich überall in der Stadt gegen benutzungspflichtige Radwege empört, kämpfen die Haidhausener um Einen. Und beides hat seine Berechtigung, denn eine Verwaltungsvorschrift zur StVO sagt:

Benutzungspflichtige Radwege dürfen nur angeordnet werden, wenn ausreichende Flächen für den Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen. Sie dürfen nur dort angeordnet werden, wo es die Verkehrssicherheit oder der Verkehrsablauf erfordern. Innerorts kann dies insbesondere für Vorfahrtstraßen mit starkem Kraftfahrzeugverkehr gelten.

An der Rosenheimer Straße wäre ein benutzungspflichtiger Radweg tatsächlich angebracht. Nur hat er, nach ansicht der CSU und SPD dort keinen Platz. Statt dessen will man nochmal alternative Routen prüfen und wissen, ob man die Parkplätze wirklich braucht. Dabei wurde von einem Gutachter versichert, dass es den Verkehr nicht merklich behindern würde. Am Beispiel der Kapuzinerstraße, sieht man ja auch, dass es geht. In einer anderen großen autofahrerfreundlichen und radfahrerfeindlichen Stadt – Hamburg – hat man es gewagt, eine viel befahrene Straße von vier auf zwei Spuren zu verkleinern. Und die Hamburger sind zufrieden. Viele Leute haben sogar das Gefühl, der Verkehr würde jetzt irgendwie flüssiger rollen.

Dabei geht es hier bestimmt nicht nur um mehr Sicherheit auf der Straße, sondern auch um mehr Lebensqualität. Weniger Hupen, weniger Autos, weniger Verkehr und bessere Luft sind Dinge, die sich Anwohner wünschen. Ich persönlich finde es unsäglich, was sich der Stadtrat hier erlaubt. Es existiert ein gutes Konzept für die Rosenheimer Straße. Eine Umgestaltung ist für die Sicherheit, nicht nur der Radfahrer, nötig. Und unsere Politiker vertagen eine Entscheidung auf die ferne Zukunft, bzw. haben sich bereits deutlich gegen die Wünsche der Münchner entschieden. Meiner Meinung nach, gibt es jetzt eine Hand voll Alternativen wie es weiter geht.

  1. Wir sitzen es aus. Es wird so lange nichts gemacht, bis sich die Aufregung gelegt hat und es geht weiter wie bisher. Das ist die dumme Variante.
  2. Man bekennt Farbe. Die Rosenheimer Straße, so wie sie momentan gestaltet ist,  ist für den Radverkehr ungeeignet. Deshalb kann man sie auch für Radfahrer sperren und durch Polizeikontrollen sicherstellen, dass das auch einghalten wird. Das wäre die einfachste Variante.
  3. Oder aber, man nimmt ein paar Liter Farbe in die Hand und malt einen Radweg. Das geht über nacht. Wenn sich zeigt, dass es nichts taugt, dann entfernt man die Markierung (auch über nacht) wieder und kann sich noch zwischen 1) und2) entscheiden. Das ist die mutige Variante.

Ich persönlich bevorzuge Variante 4. Die Rosenheimer Straße muss entsprechend dem Vorschlag (Seite 7, Variante b) umgestaltet werden. Ich habe deswegen mal einen Petition vorbereitet. Wer das gut findet, kann sich die Vorlage ausdrucken und sich bei mir melden, wenn sich ein paar Unterzeichner gefunden haben. Mal schauen, ob sich was tut.

PetitionRosenheimerStr

Edit: Es gibt jetzt eine Online-Petition. In Zeiten des Internets natürlich viel bequemer.

https://www.openpetition.de/petition/online/jetzt-radfahrstreifen-in-der-rosenheimer-strasse-sicheres-radeln-braucht-platz

 

6 commentaires sur “Der Radweg an der Rosenheimer Straße

  1. Versteh‘ ich nicht, was sowas mit Criticalmass zu tun haben soll. Ich will auch mit dem Fahrrad die ganze Fahrbahn benutzen dürfen. Zwischen Franziskaner- und Orleansstr. gibt es ein echtes Problem und das ist der Sonderweg und die absolut mangelhaft ausgeführte Einflechtungsspur in den rechten Fahrstreifen. Und von Osten her wird der auf dem Sonderweg herangeführte Radverkehr am Ende der Kreuzung (Ende der gestrichelten Markierung) im Unklaren gelassen.

    Der Rest an Unwohlsein hat weniger mit Sicherheit zu tun als mit bremsenden Autostaus zu Stosszeiten und in Sachen Autoterroristen höchstens einäugiger Polizei*. Deswegen nach minderwertigen Sonderwegelchen zu betteln, finde ich fast so peinlich, wie im Suff um eine Übernachtung in der Ausnüchterungszelle zu bitten.

    Man muss halt lernen, die drei Meter breiten rechten Fahrstreifen in beide Richtungen durch entsprechende Fahrposition belegend zu befahren. Dafür ist CM unter anderem da; nicht für benutzungspflichtige Eis- und Schmutzstreifen, die in München automagisch schmaler ausfallen als der vorherige rechte Fahrstreifen der Fahrbahn, z.B. Von-der-Tann-Str. isarwärts. Korrekt vom Bordstein entfernt fahrende andere Radfahrer ordentlich überholen geht weder dort noch auf der ach-so-tollen, aber eigentlich nur extrem dreist für ein paar Rushhours Exklusivbeschleunigung von MVG-Stinkedieselbussen verbauten Kapuzinerstraße.

    *Kleine redaktionelle Änderung, um die Höflichkeit gegenüber dem Freund und Helfer zu wahren. Auch wenn sie nicht alles richtig machen, ist das hier der falsche Ort für Diffamierungen. – Matthias

  2. Ich denke, gegen einen zwei Meter breiter Weg der dich am bremsenden Autostau vorbei führt, ist nichts einzuwenden. Zumal die Fahrspuren für den KFZ-Verker breit genug sind um zum Überholen dorthin auszuweichen. Und ja, der Weg wäre damit ganze 35 cm schmäler als die vorherige Fahrspur.

    Wo Radwege gut realisiert werden, hab ich kein Problem damit. Zumal es in der Rosenheimer Straße meiner Meinung nach um mehr geht. Die Straße wird von vielen (nicht nur von vielen Radfahrern) als stressig, laut und hässlich empfunden. Dort eine Fahrspur für die Autos zu sperren bringt vor allem in dieser Hinsicht auch entlastung. Und du hast natürlich auch recht. Gefährlich sind vor allem die Stellen, wo vom Radweg auf die Straße eingefädelt wird. Und zwar aus beiden Richtungen. Vom Gasteig kommend, ist es auch nicht viel besser wie auf der anderen Seite. Diesen Stellen wird durch eine Umgestaltung sicherlich auch ihr Gefahrenpotential genommen.

  3. Eine Sperrung der Rosenheimer Straße für Radfahrer auf dem besagten Abschnitt wird es nicht geben können: diese ist dort derzeit mit großer Wahrscheinlichkeit als innerörtliche Ortsstraße ohne verkehrliche Einschränkungen gewidmet. Den Radverkehr könnte man erst nach einer so genannten „Teileinziehung“ aussperren. Nun wohnen aber dort auch sicherlich Radfahrer, welche selbstverständlich einen Anspruch darauf haben, Ihre Wohnung radelnd zu erreichen. Dieses Recht kann ihnen so schnell niemand nehmen.
    Klar ist nun: Radfahren auf der Fahrbahn an besagter Stelle ist verkehrsrechtlich zulässig (bzw. sogar vorgeschrieben), § 45 Abs. 9 Satz 2 StVO ist nicht erfüllt (denn sonst müsste das KVR einschreiten, um die Radfahrer zu schützen). Auch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h war nicht durchzusetzen (wobei das der Stadtrat gar nicht entscheiden kann – nur mal so am Rande – das ist der Ordnungsbehörde vorbehalten). Die Lindwurmstraße zwischen Sendlinger Berg und Sendlinger Tor hat praktisch dasselbe Verkehrsaufkommen, der Fahrbahnquerschnitt ist sehr ähnlich, die durchschnittlich auf der Fahrbahn von Kfz gefahrenen Geschwindigkeit gleich. Daraus folgt messerschaft, dass die derzeit für den streckenweise lebensgefährlichen Radweg an der Lindwurmstraße angeordnete Benutzungspflicht klar rechtswidrig ist, denn auch hier ist § 45 Abs. 9 Satz 2 StVO nicht erfüllt. Ich werde in den kommenden Wochen einen entsprechenden Antrag an das KVR richten, die Benutzungspflicht dort umgehend aufzuheben. Gibt es Mitstreiter? Straßenverkehrsrecht ist nunmal kein Wunschkonzert, lieber Stadtrat.

  4. @Pablo G. Trudern: Um der Bildung von Gerüchten vorzubeugen: Der Umbau der Kapuzinerstraße brachte für den ÖPNV keine Verbesserung. Die Busspur existierte bereits vorher, allerdings wurde aufgrund einer eventuellen Verlagerungen der Staubildung sogar negative Konsequenzen für den Busverkehr befürchtet (http://www.ris-muenchen.de/RII2/RII/DOK/SITZUNGSVORLAGE/2374695.pdf, Kapitel 2.3.4 „Auswirkungen auf den ÖPNV“). Inwieweit diese eingetreten sind kann ich nicht beurteilen, für eine endgültige Feststellung ist es vermutlich auch noch zu früh. Zumindest aber diente der Umbau der Kapuzinerstraße nicht der MVG, eher im Gegenteil.

  5. @m-net: Danke für den Link, ich werd ihn durchlesen, obwohl ich die Straße und diverse Verbesserungsversuche schon ein paar Jahrzehnte aus radfahrender Perspektive zu kennen glaube. Spätestens seit dem Umbau der Arnulfstraße gehe ich fest davon aus, dass rotgrünrosa MVG-BeschleunigungspolitikerInnen deutlich andere Prioritäten setzen als ich. Die Engstelle nach der NW-Ecke Thalkirchner-Kapuzinerstr. hätte ich mich nicht getraut so zu bauen, aber was soll’s, ich komm auch da im Gegensatz zur Gruenparteiklientel sicher durch.

  6. Pingback: Radlhauptstadt oder Autotunnel - die Diskussion zur Münchner OB-Wahl | Maxvorstadtblog

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