Das Radl zum Schluss

20131103-radweg

Aus Sicht der Radfahrer…

 

20131103-strasse

… und aus Sicht der Autofahrer

Welchen Stellenwert das Radl in München – die Stadt nennt sich immerhin Radlhauptstadt – tatsächlich hat, sieht man meiner Meinung nach an kaum einer Stelle besser als in Thalkirchen. Etwa in Höhe der Kletterhalle gibt es einen (benutzungspflichtigen) Radlweg entlang der Thalkirchner Straße. An der Kreuzung zur Axel-von-Ambesser-Straße (eine Sackgasse mit Zufahrt zu 9 Häusern) muss man als Radfahrer bremsen und dem Querverkehr die Vorfahrt gewähren während gleichzeitig die parallel dazu verlaufende Thalkirchner Straße eine Vorfahrtsstraße ist. Jetzt ist es aber so, dass direkt an der Kreuzung ein Trafohäuschen steht und die Sicht behindert, so dass der Radverkehr erst auf den letzten Metern auf die Straße sieht und umgekehrt. Die wenigen Anwohner wissen um die Problematik und in der Praxis sieht es so aus, dass sich Radlfahrer und Autofahrer vorsichtig an die Kreuzung herantasten und wenn keiner kommt (und das ist dort meistens der Fall) losfahren. Manchmal aber kommt es vor, dass sich die Wege kreuzen und was dann passiert ist sinnbildlich für die ganze Stadt. Der Radlfahrer muss stehen bleiben und für den Autofahrer geht es weiter – und zwar etwa 20 Meter bis zur Thalkirchner Straße. Dort muss er dann warten. Wenn man den Verkehr also mal der Priorität nach ordnet – den unwichtigsten Teilnehmer zuerst dann sieht die Liste in etwa so aus:

  • Fahrrad
  • Auto
  • viele Autos

Wenn wir die ersten beiden Punkte der Liste austauschen könnten, dann wäre schon viel gemacht. Ich denke die meisten Radfahrer sehen es durchaus ein, dass es in der Stadt auch immer Straßen geben wird, auf denen der motorisierte Verkehr schon in der Planung Vorrang hat und vielleicht auch haben muss. An allen anderen Stellen wünsche ich mir, dass der Radverkehr das Sagen hat. München sollte 47% Fahrradstraßen haben, nicht 47.

3 commentaires sur “Das Radl zum Schluss

  1. Ist dieser Radweg wirklich benutzungspflichtig für jmd der auf der Thalkirchnerstr fahren will? Ohne ein Urteil nennen zu können meine ich das ein Radweg nur zur Straße gehört wenn er max 5 Meter neben ihr verläuft.
    Allein die unterschiedliche Vorfahrt ist doch schon ein Zeichen dafür das der Radweg nicht zur Thalkirchnerstr gehört.
    Soweit ich das erkenne gibt es an dieser Stelle einen abgesenkten Bordstein was das Zeichen „Vorfahrtachten“ eigentlich überflüssig macht. Bzw schützt die Stadt damit auf dem Bürgersteig gehende Fußgänger und Radfahrende Kinder auf der Axel-von-Ambesser-Straße.

  2. Ja, der Radweg ist hier benutzungspflichtig. Der Weg verläuft bis etwa 100m vor der Stelle direkt an der Thalkirchner Straße und nach dem Bereich, der am oberen Foto abgebildet ist, macht der Weg wieder einen Schwenk nach links und ist dann wieder direkt an der Straße.
    Hier kannst du dir die Stelle bei google-Streetview aus allen möglichen Perspektiven anschauen: https://maps.google.de/?ll=48.107637,11.545129&spn=0.001427,0.002411&t=m&z=19&layer=c&cbll=48.107651,11.545012&panoid=9XT-N5IkpRMrp0xD1wwW2g&cbp=12,231.24,,0,15.92

    Und ja, der abgesenkte Bordstein macht das Schild eigentlich überflüssig. Ich vermute es steht da zur Sicherheit, dass es auch ja keine Missverständnisse gibt. Was spräche an dieser Stelle denn gegen einen Zebrastreifen und Vorfahrt für die Radlfahrer? Letztlich nichts! Man hat halt die Auto-freundliche Variante gewählt – vermutlich ohne die Andere überhaupt in Betracht zu ziehen.

  3. Eher nicht benutzungspflichtig: Der Abstand zur Fahrbahn der Thalkirchner Straße ist zu groß, dazu die Beschilderung mit VZ 205. Benutzungspflichtig kann ein Radweg aber nur sein, wenn er fahrbahnbegleitend ist, und dazu gehört neben einem nicht zu großem Abstand auch die gleichen Vorfahrtsregeln wie auf der Fahrbahn (http://bernd.sluka.de/Radfahren/rechtlich.html#strassenbegleitend). Ansonsten ist es ein eigenständiger Weg, dessen Existenz das Fahren auf der Fahrbahn nicht verbieten kann. Einem Radfahrer hilft das aber wenig, da er an der Stelle der Verschwenkung nicht vernünftig auf die Fahrbahn wechseln kann.

    Imho ist die Thalkirchner Staße sowieso ein klassischer Fall zur Aufhebung der Benutzungspflicht: Weniger als 10.000 Fzg pro Tag, zu schmale Radwege, wichtige Radverkehrsverbindung, schlechte Führung im Kreuzungsbereich (bspw. an der Einmündung zum Werstoffhof oder an der Bleyerstraße), usw. Aber möglicherweise kommt das noch, die Stadt München überprüft mittlerweile ja alle Radwege auf Aufhebung der Benutzungspflicht.

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